Mit der Transsib nach Ulan Bator
Laufreise in den Fernen Osten mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland in die Mongolei – Teil 2

Wie bereits gesagt, ist es Samstag Vormittag und der Verkehr in der 1,2-Millionen-Stadt nicht unerheblich. Trotzdem ist der Krasny Put´ großzügig (über acht Fahrspuren) bis zur ersten Pendelstrecke abgesperrt. Hier und da gibt es ein beeindruckendes Gebäude wie die Staatsbibliothek oder eine Kirche mit goldglänzendem Zwiebelturm. Generell kann man aber sagen, dass die Stadt nicht mit Sehenswürdigkeiten überfrachtet ist. Im weiteren Verlauf der 10-er-Strecke führt der Parcours recht reizvoll in unmittelbarer Nähe am Irtysh entlang. In Blickrichtung der Läufer und in geringer Entfernung ist am Zusammenfluss von Om und Irtysh 1716 eine Befestigungsanlage entstanden, die als Grundstein der Stadt Omsk gilt. Bei km 8,5 biegen die Läufer in Richtung Stadt ab und gelangen nach einigen Ecken auf dem Krasny Put´ ins Ziel.

Schon daheim habe ich mir die Frage gestellt, welche Bedeutung der Laufsport in Russland hat. Die Recherche im Internet hat kaum Ergebnisse wegen der Sprachbarriere gebracht. Also bin ich von der globalen Suche auf die lokale Beobachtung in Omsk umgestiegen:
Am Rand des Kathedralenplatzes haben die Stadtväter eine Metallskulptur aufgestellt, die einen Marathonläufer darstellt. Am Sockel verewigt man die jährlichen Sieger auf Metallplatten. In der repräsentativen Staatsbibliothek erhalten die Teilnehmer ihre Startnummer. Die Stadtverwaltung hatte die acht Spuren der Krasny Put´ in Russlands siebtgrößter Stadt gesperrt. Am verkehrsreichen Samstag. Von Oben erfährt der SIM also schon mal eine nicht unerhebliche Wertschätzung.

In Omsk werden jährlich drei Laufveranstaltungen durchgeführt: Der Ice Halfmarathon im Januar, zur russischen Weihnacht, mit 706 Finishern (2017) auf 21 km und 3,5 km. Der SIM am ersten Samstag im August mit 4.328 Finishern (2017) auf 42 km, 21 km, 10 km und 5 km und eine Behindertenlaufveranstaltung. Nur beim SIM wird die Marathondistanz angeboten. In der großen Zahl der Gesamtfinisher sind jedoch nur 345 Marathon-Finisher (2017) enthalten. In wie weit lassen sich nun Rückschlüsse von einer Stadt auf den flächenmäßig größten Staat der Erde ziehen? Ein Fakt gibt Auskunft: Der Internationale Sibirien Marathon ist der dritte von den drei größten Veranstaltungen in Bezug auf Marathonfinisher in Russland. Laufsport befindet sich in Russland also in der Entwicklung. An der Qualität der Durchführung der Veranstaltung SIM habe ich nichts zu beanstanden. Anders sieht es bei der Internetpräsenz aus. Auf der Facebook- und Webseite sind die Aktivitäten ab Veranstaltungstag nahezu auf null herabgesunken. Um an die Finisherlisten zu gelangen, sollte man besser einen Detektiv beauftragen. Ein Quadrokopter war im Startbereich in der Luft. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurden aber keine Fotos veröffentlicht.
Über andere oder gleiche Meinungen und Erfahrungen würde ich mich freuen und und diese (eventuell gekürzt) unter meinem Artikel veröffentlichen.

Für Teilnehmer am SIM mögen vielleicht noch ein paar kuriose und seriöse Fakten von Interesse sein: Der SIM ist der älteste Marathon in Russland. - - Im Jahr 1996 fuhr ein Teilnehmer aus Deutschland von Berlin bis Omsk mit dem Motorrad und nahm am Marathon teil. - - Seit Mitgliedschaft im AIMS wird der Marathon live im russischen Fernsehen übertragen. - - Und ein Beispiel, dass Marathonläufer tatsächlich Humor haben: Bei der Veranstaltung 2001 trug ein Teilnehmer aus Novgorod einen 25-Kilo-Sack Zucker auf den Schultern. Und kam in´s Ziel. Über 42 Kilometer in 5 Stunden.

Eisenbahnen faszinieren mich seit jeher. In den ersten beiden Grundschuljahren musste ich jeden Schultag die Gleise der Harzer Schmalspurbahn in Wernigerode überqueren. Jahre später habe ich im Winter den ersten Vorstoß mit der Bahn in Richtung Osten bis Moskau in die damalige Sowjetunion unternommen. Und nun – im Sommer 2017 – die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Omsk bis Irkutsk, danach bis Ulan Bator. Auf einem Teilstück also, der fast 10.000 km langen Strecke Moskau/Wladiwostock.
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