Transsib Mongolei Marathon
Laufreise in den Fernen Osten mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland in die Mongolei – Teil 4

Irkutsk ist eine schöne Stadt. Hier wird die Gruppe von Reiseleiterin Natascha in Empfang genommen. Sie ist keine Sportlerin, kümmert sich kompetent, freundlich und emotional in den nächsten Tagen um Nils, seine Athleten und trauert im Allgemeinen der alten Sowjetunion nach. Sie zeigt die Stadt, erklärt viel, bringt die Läufer zum Schamanen und auf die Insel Olchon. Auf dieser Insel ohne feste Straßen im Baikalsee bleiben die Abenteurer zwei Tage. Mit russischen Geländefahrzeugen vom Typ „UAZ 452“ und Fahrer erkunden sie die Insel von einer Seite bis zur anderen (Luftlinie 70 km). Sie unternehmen zwischendurch eine Wanderung und besichtigen den Schamanenfelsen am Kap Burchan. Hier befindet sich die heilige Stätte der Buriaten, die auch als sakrales Zentrum der Schamanenwelt gilt.
Zeit für zwei Inselläufe bleibt gerade noch. Der weitab schönste Lauf aber war für mich in Irkutsk, kurz nach Sonnenaufgang am Ufer der Angara entlang, bevor die Stadt zum Leben erwachte.

Die Reise geht weiter und unser Busfahrer bringt uns zum Bahnhof Irkutsk. Die Zeit ist knapp kalkuliert, wir erreichen den Zug auf den letzten Drücker und ab geht die Fahrt über 1.113 Kilometer. Wir werden eine Nacht, einen Tag und noch eine Nacht unterwegs sein. Unser Schienenfahrzeug ist jetzt nur noch halb so lang, ohne Speisewagen, hält jeden Bahnhof an und ruckelt langsam in Richtung Ulan Bator. Nicht auf dem kürzesten Weg, sondern um den südlichen Baikalsee herum, dann Richtung Osten bis Ulan-Ude – und sind nun schon ein bisschen in der Mongolei. Genauer gesagt: Wir befinden uns in der autonomen sowjetischen Republik Burjatien (1 Mio. Einw.), der Heimat mongolischer Stämme. Das ist in etwa das Gleiche wie die Innere Mongolei (25 Mio. Einw.), die auch ein autonomes Gebiet für Mongolen ist, aber zur Republik China gehört. Unser Ziel ist aber die Mongolei (3 Mio. Einw.). Amtlich: Mongolischer Staat. Wir sind im Moment noch in Russland und unser Bummelzug setzt sich in Ulan Ude in Richtung Süden nach Ulan Bator in Bewegung. Der Begriff Äußere Mongolei wird manchmal für den Mongolischen Staat benutzt.

Mit dem Ort Naushki erreicht die Läuferschar aus dem fernen Westen die Grenzabfertigung von russischer Seite. Die ganze Prozedur für einen relativ kurzen Zug zieht sich über fünf (!) Stunden hin. Bei der Pass- und Zollkontrolle müssen die Reisenden auf ihrem Platz sitzen und alle Abteiltüren offen halten. Mehrfach werden die Fahrgäste in barschem Ton angewiesen „Stop Talking!“. Damit erschöpft sich schon der Wortschatz der Grenz- und Bahnbrigade. Aber alles geht gut und die E-Lok legt sich wieder voll in´s Zeug. Sieben Kilometer geht nun die Fahrt durch russisches Niemandsland bis zur Grenze, an die sich das mongolische Niemandsland mit 16 Bahnkilometern anschließt. Erst dann hält der Zug an der mongolischen Grenzkontrollstelle im Ort Suhe Bator wieder. Hier ist man den Besuchern aus Deutschland freundlicher gesonnen, verlangt keine Visagebühr und die umständliche Prozedur der Visabeantragung in der Heimat entfiel. Die Pass- und Zollkontrollen sind korrekt, nicht unfreundlich und gehen flott voran. Trotzdem erhält der Lokführer erst nach zweieinhalb Stunden das Signal zur Weiterfahrt.

Am Bahnhof in Ulan Bator wartet schon Reiseleiter Tulgar darauf, einer exotischen Laufgruppe aus Gyerman (das ist mongolisch) möglichst viel zu zeigen und zu erzählen. Absolute Priorität hat aber erst mal nach 38 Stunden im „Zug ohne Speisewagen“ ein Frühstück. In der Eisenbahn hatten die Reisenden nur von ihren Einkäufen in Russland und der Heißwassermaschine gelebt. Nach dieser Erfahrung war das Frühstück in einem Hotel mit ansprechendem Drumherum einfach hervorragend.

Gestärkt und voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg zur Stadtbesichtigung und beginnen mit dem Süchbatar-Platz. Das Parlamentsgebäude dominiert den fast menschenleeren Platz im Zentrum der Stadt. An der Vorderfront befinden sich mächtige Skulpturen: In der Mitte, auf dem Thron sitzend, Dschingis Khan rechts und links sein Sohn Ögedei Khan und sein Enkel Kublai Khan. Die Menschen in der Mongolei verehren besonders Dschingis Khan und sind stolz auf ihre Geschichte.
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