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Ruhet wohl, ihr Totenbeine

Photo: Grabstein auf dem Nordfriedhof in Wiesbaden

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Ruhet wohl, ihr Totenbeine

 

1.) Ruhet wohl, ihr Totenbeine

In der stillen Einsamkeit!

Ruhet, bis das End' erscheine,

Da der Herr euch zu der Freud'

Rufen wird aus euren Grüften

In die freie Himmelslüften.

 

2.) Nur getrost, ihr werdet leben,

Weil das Leben euer Hort,

Die Verheißung hat gegeben

Durch sein teuer wertes Wort:

Keiner soll in Tod verderben,

Die in seinem Namen sterben.

 

3.) Und, wie soll im Grabe bleiben,

Der ein Tempel Gottes war?

Den der Herr ließ einverleiben

Seiner auserwählten Schar.

Die er selbst mit Blut und Sterben

Hat gemacht zu Himmels-Erben.

 

4.) Nein, die kann der Tod nicht halten,

Die des Herren Glieder sind:

Muss der Leib im Grab erkalten,

Da man nichts als Aschen findt.

Wird doch Gott, was vor gewesen,

Wieder neu zusammenlesen.

 

5.) Ja, er will, wie er erstanden,

Selber an dem dritten Tag,

Also seine Reichsverwandten

Führen aus des Todes Schmach

Zu den frohen Hochzeitsfreuden,

Die er seiner Braut bescheiden.

 

6.) Ruhet demnach in dem Kühlen!

Eine noch so kurze Zeit,

Es will schon den Aufzug spielen

Die so nahe Ewigkeit?

Da ihr sollt mit Haut und Beinen (a)

Vor dem Stuhl des Lamms erscheinen.

 

(a) Gebein, Skelett

 

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Autor: Friedrich Konrad Hiller

mögl. Melodie: Werde licht, du Stadt der Heiden

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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gefunden im Buch

Denck-Mahl der Erkenntniß, Liebe u. Lob Gottes,

in neuen geistlichen Li[e]dern, Arien und Cantaten ...

Aufgerichtet von Friedrich Konrad Hiller

Druck und Verlag Paul Treuen, Stuttgart, 1711

Thema: Tod und Ewigkeit

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Friedrich Konrad Hiller (* 9. Juni 1651 in Unteröwisheim/Kraichgau; † 23. Januar 1726 in Stuttgart) war ein deutscher Jurist und evangelischer Kirchenlieddichter.

Der Sohn eines Pflegers studierte ab 1680 in Tübingen Rechtswissenschaft und wurde 1685 herzoglicher Kanzleiadvokat in Stuttgart. Während seiner häufigen Krankheiten dichtete er oft. 1711 veröffentlichte Friedrich Hiller eine Liedersammlung unter dem Titel 'Denck-Mahl der Erkenntniß, Liebe u. Lob Gottes, in neuen geistlichen Lidern auch Arien u. Cantaten nach Anleitung deß Catechismi Lutheri, ingleichem Sonn- Fest- u. Feyer-täglicher Kirchen-Texte' (Stuttgart) mit 172 eigenen Lieder.

Im aktuellen Evangelischen Gesangbuch (EG) ist er mit einem Lied vertreten: Ich lobe dich von ganzer Seelen (EG 250).

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Taken on September 16, 2012