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Sei, Seele, ruhig, unverzagt

Bild: Labyrinth in Wiesbaden-Freudenberg (nachbearbeitetes Photo)

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Sei, Seele, ruhig, unverzagt

 

1.) Sei, Seele, ruhig, unverzagt,

Wenn irgend dich ein Kummer plagt,

Befiehl Gott deine Sachen!

In aller Pein

Vertrau allein

Auf ihn, er wird's wohl machen!

 

2.) Kein Leiden kommt von ungefähr,

Wenn's noch so unverschuldet wär,

Hat's Gottes Rat ersehen.

Drum sei nur still,

Und was Gott will,

Das lass du gern geschehen.

 

3.) Erweckt dir gleich das Leiden Pein,

So wird's dir doch nicht schädlich sein.

Gott kann sein Kind nicht hassen.

Wer ihn nur liebt,

Sich ihm ergibt,

Den wird er nicht verlassen.

 

4.) Wie lange währt der Frommen Leid?

Nicht ewig, Herr, nur kurze Zeit!

Nach überstandnem Leide

Erquickest du

Ihr Herz mit Ruh'

Und einst mit ew'ger Freude.

 

5.) Drum hab, o Seele, guten Mut,

Vertraue Gott! Es wird noch gut

Nach aller Trübsal werden.

Er ziehet dich

Durchs Kreuz zu sich,

Zum Himmel von der Erden.

 

6.) Gott ist dein Gott, er ist getreu

Und stehet dir, als Vater, bei

In allem Kreuz auf Erden.

Der Leiden Heer

Lässt er zu schwer

Den Seinen niemals werden.

 

7.) Es haben ja, zu aller Zeit,

Die Heiligen in Traurigkeit

Hier oftmals wandeln müssen.

Warum willst du

Denn stets nur Ruh'

Und Wohlergehn genießen?

 

8.) O, bet' und fleh' auf deinen Gott

In aller deiner Angst und Not!

Lass, wie er will es gehen!

Sein Will' ist gut,

Behalte Mut!

Gott wird dich einst erhöhen.

 

9.) Der du ein Gott des Trostes bist,

Lass jeden, der hier traurig ist

Des Glaubens Trost empfinden.

Dem, den du liebst

Und prüfend übst,

Hilf alles überwinden.

 

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Autor: Christoph Friedrich Neander

Melodie: In dich hab ich gehoffet, Herr

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gefunden im (evangelisch-lutherischen)

Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauche

für die Stadt und das Herzogtum Magdeburg

Verlegt in Magdeburg, 1805

Liednummer 346

Thema: Gottvertrauen, Kreuz und Trost

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Christoph Friedrich Neander, evangelischer Pfarrer und Kirchenliederdichter, * 28.12. 1723 in Eckau (Kurland), + 9.7. 1802 in Grenzhof (Kurland). Nach dem Theologiestudium in Halle/Saale war er zunächst Hauslehrer in Kurland, 1751 wurde er in Kabillen ordiniert. Seit 1756 wirkte er als Pastor in Grenzhof und Kuckern, seit 1775 zugleich als Propst der Doblenschen Diözese und Assessor des Konsistoriums. Die Berufung zum kurländischen Superintendenten lehnte er 1785 ab. - Neanders Gedichte und Lieder sind von Gellert und Klopstock beeinflusst. In Kurland setzte er sich, einen gemäßigten Rationalismus vertretend, für die Abschaffung der Privatbeichte ein. Er übersetzte Lieder ins Lettische, die im ‚Mitauschen lettischen Gesangbuch’ Aufnahme fanden. Die von ihm 1773 herausgegebene Kirchenliedersammlung war Zeugnis für den Einfluss der Aufklärung in Kurland unter Herzog Peter. Der von Neander 1778 ausgearbeitete und 1786 gedruckte Entwurf für eine neue Kirchenordnung im Geiste der Aufklärung, die u.a. die Einrichtung einer kirchlichen Armenpflege und die Schaffung eines regelmäßigen Unterrichts für lettische Kinder vorsah, wurde allerdings nicht offiziell eingeführt.

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Taken on February 23, 2012