Ach, wo ist mein Freund geblieben

Photo: Darstellung der Heiligen Familie in Mainz

+++++++++++++++++++++++++

Ach, wo ist mein Freund geblieben

 

1.) Ach, wo ist mein Freund geblieben,

Ach, mein Jesu, wo bist du?

Also seufzen, die Gott lieben

Und in Jesu suchen Ruh'.

Denn, wenn Jesus ist gewichen,

So ist alle Lust verblichen.

 

2.) Schwerter gehen durch die Seele,

Wenn man Jesum hat geküsst

Und an seinem Freuden-Öle

Sich im Glauben hat ersüßt.

Und man wieder muss entbehren

Dieses große Heilbescheren.

 

3.) Denn so sucht man auf den Gassen

Und im Bette ganz betrübt,

Dass man möge wieder fassen,

Jesum, den die Seele liebt

Und wenn man ihn hat gefunden,

So ist alle Not verschwunden.

 

4.) Hast du diesen Freund verloren,

Seele, durch begangne Sünd',

Der dir ist zum Heil geboren,

Ach, so eile doch geschwind,

Dass du alles überwindest

Und die Perle wieder findest.

 

5.) Denke an Marien Quälen

Und ihr hartverwund'tes Herz,

Da sie mit betrübter Seelen,

Jesum sucht, ach Pein und Schmerz!

Den sie hatt' an's Licht getragen,

Dess' Verlust musst sie beklagen.

 

6.) Ach, dass Tausenden auf Erden

Und noch Hunderttausend mehr,

Möchten so bekümmert werden

Und den Ort, wo Jesus wär,

Suchen und bei Reu' und Schmerzen

Finden diesen Schatz im Herzen.

 

7.) Endlich zeigten sich die Stunden

Nach dem Jammer Angst und Pein,

Da das Söhnlein ward gefunden

An dem Ort, wo es musst sein,

Jesus musst im Tempel lehren

Zu des Vaters Preis und Ehren.

 

8.) Willst du deinen Jesum finden

In dem innern Herzens-Schrein,

So musst du erst überwinden

Und die Kampf beständig sein.

Dieses Kleinod wird gefunden,

Wenn man erst hat überwunden.

 

9.) Mein Herr Jesu, lass mich meiden

Alles, was mich kann von dir

In dem Lebenslauf abscheiden,

Dass ich nimmer dich verlier.

Bleib bei mir, so lang ich lebe

Und bis ich den Geist aufgebe.

 

10.) Ja, Herr, wenn ich nur dich habe,

So verlang ich auf der Welt

Nichtes mehr, als diese Gabe

Auch nichts mehr im Himmelszelt.

Dir will ich mein Herz verschreiben,

Lass mich ewig dein verbleiben.

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Autor: Lorenz Lorenzen

mögliche Melodie: Tut mir auf die schöne Pforte

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

gefunden in:

Evangelia Melodica

Geistliche Lieder und Lobgesänge

von Laurentio Laurenti (Lorenz Lorenzen)

verlegt Bremen 1700

Liednummer 79

Thema: Epiphanias

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Lorenz Lorenzen (auch Laurentius Laurentii), geboren 1660 zu Husum, gestorben 1722 in Bremen war evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter.

Sein Vater war angesehener Bürger der Heimatstadt und musikalisch sehr interessiert. Lorenz Lorenzen studierte in Kiel und wurde im Jahr 1684 als Kantor und Musikdirektor an den Dom von Bremen berufen, wo er in diesem Amt 38 Jahre Dienst tat. Er trat als bedeutender Dichter von Kirchenlieder im pietistischen Kreis von Philipp Jakob Spener hervor. 150 Lieder, die wegen ihrer Echtheit und ihrem poetischen Gehalt bekannt wurden, sind im Druck unter dem Titel 'Evangelia Melodica' bei Johann Wessel 1700 in Bremen erschienen.

Im heutigen Evangelischen Gesangbuch (EG) ist das Osterlied 'Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin' (EG 114) und das Lied auf das Ende des Kirchenjahres 'Ermuntert euch, ihr Frommen' (EG 151) enthalten.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

559 views
0 faves
1 comment
Taken on January 5, 2007