new icn messageflickr-free-ic3d pan white

Nun jauchzet, all ihr Frommen

Photo: Haustüre in Husum, Schleswig-Holstein

+++++++++++++++++++++++++

Nun jauchzet, all ihr Frommen

 

1.) Nun jauchzet, all ihr Frommen

In dieser Gnadenzeit,

Weil unser Heil ist kommen,

Der Herr der Herrlichkeit,

Zwar ohne stolze Pracht,

Doch mächtig zu verheeren

Und gänzlich zu zerstören

Des Teufels Reich und Macht.

 

2.) Er kommt zu uns geritten

Auf einem Eselein

Und stellt sich in die Mitten

Für uns zum Opfer ein.

Er bringt kein zeitlich Gut,

Er will allein erwerben

Durch seinen Tod und Sterben,

Was ewig währen tut.

 

3.) Kein Zepter, keine Krone

Sucht er auf dieser Welt:

Im hohen Himmelsthrone

Ist ihm sein Reich bestellt.

Er will hier seine Macht

Und Majestät verhüllen,

Bis er des Vaters Willen

Im Leiden ganz vollbracht.

 

4.) Ihr großen Potentaten,

Nehmt diesen König an,

Wenn ihr euch wollet raten

Und gehn die rechte Bahn,

Die zu dem Himmel führt;

sonst, wo ihr ihn verachtet

Und nur nach Hoheit trachtet,

Euch Gottes Zorn dann rührt.

 

5.) Ihr Armen und Elenden

In dieser bösen Zeit,

Die ihr an allen Enden

Müsst haben Angst und Leid:

Seid dennoch wohlgemut,

Lasst eure Lieder klingen,

Und tut dem König singen,

Er ist eu'r höchstes Gut.

 

6.) Er wird nun bald erscheinen

In seiner Herrlichkeit,

All' euer Klagen, Weinen

verwandeln schnell in Freud'.

Er ist, der helfen kann,

Halt't eure Lampen fertig,

Und seid stets sein gewärtig,

Er ist schon auf der Bahn.

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Autor: Michael Schirmer

Melodie: Eigene Melodie/ohne Angaben

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

gefunden in:

Allgemeines und vollständiges

Evangelisches Gesangbuch

für die königl. preuß. schlesischen Lande

Druck und Verlag Wilhelm Gottl. Korn

Breslau, 1860

Liednummer 363

Thema: Advent

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Michael Schirmer (getauft am 18. Juli 1606 in Leipzig; † 4. Mai 1673 in Berlin) war ein Pädagoge und Kirchenliederdichter der Barockzeit.

Nach dem Gymnasialabschluss bezog er die Universität, um hier 1630 die Magisterwürde zu erlangen, die ihn zum Lehrberuf befähigte.

1636 wurde er als Subrektor an das berühmte Berliner Gymnasium zum Grauen Kloster berufen, ab 1651 als Konrektor bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1668.

Der Dreißigjährige Krieg brachte es mit sich, dass das Gymnasium zeitweise geschlossen werden musste, dass Schirmer ohne Einkommen war und sich als Kostgänger an den Tischen besser gestellter Bürger ernähren musste. Etwa ab 1640 war er wieder im Dienst, doch ab 1644 quälte ihn, wohl zumindest teilweise durch die Nöte und Entbehrungen der vergangenen Jahre verursacht, fünf Jahre lang ein schweres Nervenleiden, was auch mit viel geistlicher Anfechtung verbunden war. Paul Gerhardt und Johann Crüger, Pfarrer bzw. Kantor an der Nicolaikirche in Berlin, mit denen ihn eine herzliche Freundschaft verband, waren ihm Trost und Stütze in dieser schweren Zeit.

Nach seiner Gesundung, die er als Gottes Geschenk ansah, schrieb Schirmer im Vorwort eines der zahlreichen von ihm verfassten Bücher. Schon 1637 - lange vor seiner Erkrankung - war er zum kaiserlichen Poeten mit dem Dichterlorbeer gekrönt worden. Seine schwere Krankheit hatte ihn in seinem beruflichen Fortkommen behindert, doch 1651 stieg er auf vom Subrektor zum Konrektor des Berliner Gymnasiums zum Grauen Kloster.

Schirmer musste in der Folgezeit den Tod seiner Angehörigen erleben. 1659 verlor er sein einziges Töchterchen, noch im Kindesalter, 1666 starb sein einziger Sohn mit 25 Jahren, bald danachfolgte seine Frau. Solches Leid ließ seine alte Gemütskrankheit noch einmal aufbrechen, sodass er 1668 seinen Dienst aufgeben musste. In den ihm noch verbliebenen Lebensjahren beschäftigte er sich weiter mit der heiligen Schrift, besonders mit Blick auf ein seliges Ende. Trotz seines plötzlichen Todes am 4. Mai 1673 starb er doch 'mit fertiger Lampe' nach den Schlusszeilen seines Adventsliedes, in denen er sich auf das Gleichnis von den zehn Jungfrauen bezieht: 'Halt eure Lampen fertig, und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.'

Wie dieser vielfachen Bedrängnisse und Krankheiten wurde er (auch von sich selbst) der 'deutsche Hiob' genannt.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

1,395 views
1 fave
2 comments
Taken on October 17, 2010