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Bald wird der Tag anbrechen | by amras_de
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Bald wird der Tag anbrechen

Photo: Morgen im Nerotalpark Wiesbaden, 1992

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Früh auf, nun lasst uns singen

 

1.) Früh auf, nun lasst uns singen

Ihr Kinder Gottes allzumal,

Von unerhörten Dingen

Der großen Freud im Himmelssaal!

Bald wird der Tag anbrechen,

An welchem Gottes Sohn

Uns freundlich wird zusprechen:

Kommt her, empfangt den Lohn,

Den ich euch geb aus Gnaden:

Kommt her, ererbt das Reich,

Darinnen ohne Schaden

Und Trübsal lebt zu gleich.

 

2.) O Freud, o Lust, o Wonne!

Wir sollen Gottes Antlitz sehn.

O Licht, o Glanz, o Sonne!

Wie wird uns doch so wohl geschehn!

Jetzt sehen wir im Spiegel

Und einem dunklen Wort,

Wenn aber wird das Siegel

Eröffnet, soll man dort

Den Höchsten selber schauen,

O süßer Gnadenblick!

Der Tod macht mir kein Grauen,

Denn Sterben ist mein Glück.

 

3.) Hinweg mit allen Freuden,

Die man in diesem Leben hegt,

Hinweg mit Gold und Seiden,

Davon man schöne Kleider trägt.

Hinweg mit Saitenspielen,

Hinweg mit süßem Wein,

Hinweg mit Königsstühlen,

Hinweg mit Perlenschein.

Ein'n Augenblick Gott sehen

In seinem Himmelszelt,

Macht größer Freud entstehen,

Als alle Lust der Welt.

 

4.) O Freud in jenem Leben,

O Freud im schönen Paradeis!

Welch uns ein Herz wird geben,

Das gar von keiner Trübsal weiß,

Das sich nicht darf entsetzen

Vor Unglück und Gefahr,

Das niemand kann verletzen,

Das frisch ist immerdar,

Das frei von allen Sorgen

Nicht suchet Geld noch Gut,

Das vor dem Neid verborgen

Stets lebt in sichrer Hut.

 

5.) O Freud in Gotteskammer

O Freud in seinem Friedenslicht,

Da man von Kriegsgejammer

Nicht das geringste Wörtlein spricht.

Da wird man Friede halten

Mit Gott und ewiglich

In steter Ruhe walten,

Nicht mehr betrüben sich,

Da wird man Friede haben

Auch mit der Engelschar,

Ja Leib und Seel' erlaben

Im Friede immerdar.

 

6.) O Freud! O Jubilieren!

O Jauchzen! O, voll Wonne sein!

Wie wollen wir lustieren

Dort oben in des Himmels Schein.

Wir wollen da bewohnen

Den Palast, der geschmückt

Mit hunderttausend Kronen,

Der vielmal heller blickt, (a)

Als alle Diamanten,

Rubinen und Saphir,

Ihr Himmelsanverwandten,

Bedenkt es, was für Zier!

 

7.) O Freud! Ein neuer Himmel,

O Freud, ein neuer Erdenkreis!

Davon der Welt Getümmel

Das wenigste zu sagen weiß.

Da man in stetem Lenzen (b)

Uneingeschlossen lebt,

Nicht in gewissen Grenzen,

Wie auf der Erden, schwebt:

Nein, da man nach Gefallen

In Gott erfreuet sich,

Der alles ist in allen

Und herrschet ewiglich.

 

8.) O Freud! O lieblich Wesen!

In welchem wird zu finden sein

Gesellschaft auserlesen,

Gott selbst mit seinen Engelein,

Da König und Propheten,

Die da Bekenner sind,

Die Gott aus ihren Nöten

Gerissen hat geschwind.

Woselbst die Patriarchen

Und keuschen Jungfräulein

Besitzer und Monarchen

Des Himmels werden sein.

 

9.) O Freud! O Lust! O Leben!

O goldnes Haus, o schönste Zier!

Wir wollen kräftig streben

In dieser Sterblichkeit nach dir,

O Gottes Antlitz sehen!

O stets im Friede sein!

O bei den Engeln stehen!

O teurer Himmelschein!

O Herrlichkeit ohn' Ende!

Mein Gott, wenn dir's gefällt,

So nimm mich auf behende,

Nun gute Nacht, o Welt!

 

(a) scheint

(b) Frühling

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Text: Johann Rist

Melodie: Nun lob mein' Seel' den Herren

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Quelle: Geistliches neuvermehrtes

Altenburgisches Gesang- und Gebetbuch

Altenburg, 1778. Liednummer 454,

Kapitel Von der der seligen Hoffnung

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Johann Rist (* 8. März 1607 in Ottensen (heute Stadtteil von Hamburg); † 31. August 1667 in Wedel (Holstein)) war ein deutscher Dichter, Kirchenlieddichter und evangelisch-lutherischer Prediger.

Rist war der Sohn des aus Nördlingen stammenden evangelischen Pastors in Ottensen Caspar Rist und seiner Ehefrau Margarethe Ringemuth. Nach erstem Unterricht durch den Vater besuchte Rist das Johanneum in Hamburg; später dann das Gymnasium in Bremen.

An der Universität Rinteln studierte Rist Theologie u.a. bei Johannes Gisenius und Josua Stegmann. Um 1626 wechselte er an die Universität Rostock. Nach dem Studium ging Rist nach Hamburg zu seinem Rostocker Kommilitonen Ernst Stapel. Mit diesem schrieb und publizierte er Theaterstücke und trat auch selbst als Darsteller auf.

1633 wurde Rist Hauslehrer beim Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Elisabeth Stapel, der Schwester des früh verstorbenen Freundes Ernst Stapel und des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel. Durch Hilfe des letzteren wurde er im Frühjahr 1635 zum Pastor im damals dänischen Wedel an der Unterelbe nahe Hamburg berufen. Kurz nach seinem Amtsantritt heiratete Rist seine Verlobte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei früh verstarben.

Beim Einfall der Schweden unter General Lennart Torstensson im Torstenssonkrieg, während des Dreißigjährigen Krieges, verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek. Im Zweiten Nordischen Krieg verlor Rist 1658 noch einmal alles Hab und Gut und musste mit seiner Familie nach Hamburg flüchten. Nachdem 1662 seine Frau Elisabeth gestorben war, heiratete Rist zwei Jahre später Anna Hagedorn, geb. Badenhop, die Witwe seines 1660 verstorbenen Freundes Johann Philipp Hagedorn; sie starb 1680.

Ab 1663 veröffentlichte Rist in lockerer Folge sechs Monatsgespräche, Dialoge über jeweils ein spezielles Thema: Januar – die Tinte; Februar – das Landleben, März – der Stein der Weisen, April – die Malerei, Mai – Lese- und Schreibkunst, Juni – die Todesbetrachtung. Nach Rists Tod wurden die restlichen sechs Monatsgespräche durch Erasmus Finx ergänzt. Johann Rist starb hochgeachtet am 31. August 1667 im Alter von 60 Jahren in Wedel.

Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts.

 

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Johann von Rist (1607-1667) was a German poet and dramatist best known for the hymns he wrote.

He was born at Ottensen in Holstein (today Hamburg) on 8 March 1607; the son of the Lutheran pastor of that place, Caspar Rist. He received his early training at the Johanneum in Hamburg and the Gymnasium Illustre in Bremen; he then studied theology at the University of Rinteln. Under the influence of Josua Stegman there, his interest in hymn writing began. On leaving Rinteln, he tutored the sons of a Hamburg merchant, accompanying them to the University of Rostock, where he himself studied Hebrew, mathematics, and medicine. During his time at Rostock, the Thirty Years War almost emptied the University, and Rist himself lay there for several weeks, suffering from pestilence.

In 1633 he became tutor in the house of Landschreiber Heinrich Sager at Heide, in Holstein. Two years later (1635) he was appointed pastor of the village of Wedel on the Elbe. The same year he married Elisabeth Stapel, sister of Franz Stapel, bailiff of nearby Pinneberg. They had 5 children, of whom 2 died early; Elisabeth died 1662. In 1664 he married Anna Hagedorn, born Badenhop, widow of his friend Phillipp Hagedorn. He died in Wedel on 31 August 1667

 

Rist first made his name known to the literary world by a drama, Perseus (1634), which he wrote while at Heide, and in the next succeeding years he produced a number of dramatic works of which the allegory Das friedewünschende Teutschland (1647) and Das friedejauchzende Teutschland (1653) (new ed. of both by H. M. Schletterer, 1864) are the most interesting. Rist soon became the central figure in a school of minor poets. The emperor Ferdinand III crowned him laureate in 1644, ennobled him in 1653, and invested him with the dignity of a Count Palatine, an honor which enabled him to crown, and to gain numerous poets for the Elbschwanen order ("Elbe Swan Order"), a literary and poetical society which he founded in 1660. He had already, in 1645, been admitted, under the name Daphnis aus Cimbrien, to the literary order of Pegnitz, and in 1647 he became, as Der Rüstige, a member of the Fruchtbringende Gesellschaft ("Fruitbearing Society").

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Taken on June 19, 2010