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Lieber Gott, wann wird ich sterben | by amras_de
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Lieber Gott, wann wird ich sterben

Photo: Statue auf dem Nordfriedhof Wiesbaden, 1984 photographiert

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Lieber Gott, wann wird ich sterben

 

1.) Lieber Gott, wann wird ich sterben

Meine Zeit läuft immer hin.

Und des alten Adams Erben,

Unter denen ich auch bin,

Haben das zum Vaterteil,

Dass sie eine kleine Weil'

Arm und elend sind auf Erden

Und dann selbst zur Erde werden. (a)

 

2.) Ich zwar will mich auch nicht widern, (b)

Zu beschließen meine Zeit.

Trag' ich doch an allen Gliedern

Samen von der Sterblichkeit.

Geht doch immer da und dort

Einer nach dem andern fort.

Und schon mancher liegt im Grabe,

Den ich wohl gekennet habe.

 

3.) Aber, Gott, was werd' ich denken,

Wenn es wird zum Sterben gehn?

Wo wird man den Leib versenken?

Wie wird's um die Seele stehn?

O, was Kummer fällt mir ein!

Wessen wird mein Vorrat sein?

Und wo werden meine Lieben

Nach einander hin verstieben?

 

4.) Doch entweicht, ihr tollen Sorgen!

Soll ich nicht zu Jesu gehn?

Lieber heute denn als morgen,

Wenn mein Fleisch wird auferstehn.

Ich verzeih es gern der Welt,

Dass sie alles hier behält

Und bescheide (c) meinen Erben

Einen Gott, der nicht kann sterben.

 

5.) Herrscher über Tod und Leben,

Mach einmal mein Ende gut!

Lehre mich den Geist aufgeben

Mit recht wohlgefasstem Mut.

Hilf, dass ich ein ehrlich' Grab

Unter frommen Christen hab,

Und auch endlich in der Erde

Nimmermehr zu Schanden werde.

 

(a) die Sterblichkeit wird als Folge der Sünde angesehen

(b) widersetzen(c) empfehle

 

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Text: Kaspar Neumann

Melodie: Ohne Angaben

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Anthologie christlicher Gesänge

aus der neueren Zeit

Von August Jakob Rambach herausgegeben.

Altona und Leipzig, 1819.

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Kaspar Neumann (* 14. September 1648 in Breslau; † 27. Januar 1715 ebenda) gilt als einer der ersten bedeutenden deutschen Vertreter der Politischen Arithmetik und Wegbereiter der Bevölkerungsstatistik. Darüber hinaus war er ein bedeutender evangelischer Kirchenlieddichter, Pfarrer und Kircheninspektor.

Sein Wirken fällt in eine Periode der stürmischen Entwicklung der Naturwissenschaften und der beginnenden Frühaufklärung am Ende des 17. Jahrhunderts.

Nach Beendigung seiner Universitätszeit trat Neumann in den Dienst Herzogs Ernst des Frommen und begleitete dessen Erbprinzen auf einer Reise durch Deutschland und die Schweiz. Es folgten einige Jahre als Hofprediger in Altenburg. In dieser Zeit heiratete er die Tochter des Leibarztes des Fürsten von Sachsen-Friedenstein, J. J. Rabe. Bald darauf 1678 erhielt Neumann einen Ruf als Diakonus an der Maria-Magdalenen-Kirche in Breslau tätig zu sein. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück und blieb ihr bis zu seinem am 27. Januar 1715 erfolgten Tode eng verbunden. Auch eine Berufung als Superintendent nach Lüneburg 1692 lehnte er ab. In Breslau war er zuvor Pastor an der Magdalenenkirche (1689) und seit 1697 bekleidete er die Stelle eines Inspektors der evangelischen Kirchen und Schulen und eines Pastors der Elisabeth-Kirche, sowie die damit verbundene erste Professur für Theologie an beiden städtischen Gymnasien.

Zu Neumanns bedeutsamsten Leistungen auf theologischem Gebiet zählt das von ihm verfasste Gebetbuch „Kern aller Gebete“, das erstmalig in Jena 1680 erschien, in alle bedeutenden europäischen Sprachen übersetzt und bis zu seinem Tod 22mal aufgelegt wurde.

Des Weiteren verfasste Neumann eine Anzahl von Kirchenliedern und veranlasste die Herausgabe des ersten schlesischen Kirchengesangbuches (1703). Bereits in seinen Predigten kommt immer wieder sein naturwissenschaftliches Interesse zum Ausdruck. Dabei bezog er konsequent Stellung gegen den in der damaligen Zeit noch weit verbreiteten Aberglauben, insbesondere im Bereich der Astrologie.

Neumann verfolgte nicht nur die neuesten naturwissenschaftlichen Entdeckungen aufmerksam und diskutierte in seinen Briefen astronomische, meteorologische und physikalische Beobachtungen, sondern er betätigte sich auch selbst unter anderem auf dem Gebiet der Botanik, indem er insbesondere neben anderen botanischen Seltenheiten die Pflanzen der Bibel in seinem Hausgarten zu kultivieren suchte. Ausgehend von seiner theologischen Bildung und seinen naturwissenschaftlichen Interessen versuchte Neumann die Methoden der Naturforschung mit der Theologie zu verknüpfen. Die mathematisch- experimentelle Untersuchungsweise, die auf vielen Gebieten der Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert so erfolgreich praktiziert wurde, diente Neumann als Vorbild auch bei der Untersuchung der Bewegungen im Leben und Sterben der Menschen.

Davon ausgehend sammelte, ordnete und verglich er die in den Kirchenbüchern seiner Heimat niedergelegten Nachrichten über Geburts-und Sterbefälle der evangelischen Gemeinden von Breslau und bemühte sich Informationen auch aus anderen Orten zu erhalten. Neumanns erstmaliger Versuch, gestützt auf die empirische Analyse massenstatistischer Daten gesetzmäßige Zusammenhänge zwischen Leben und Tod zu finden und abergläubische Vorstellungen darüber zu widerlegen, ist darauf gerichtet die Wirksamkeit Gottes auch auf diesem Gebiet nachzuweisen. Ausgehend von seinen Auswertungen wurden Sterbetafeln für das Versicherungswesen erstellt, sein Einfluss ging weit über Deutschland hinaus und fand auch im Ausland höchste Anerkennung.

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Caspar (or Kaspar) Neumann (14 September 1648 – 27 January 1715) was a German professor and clergyman from Breslau with a special interest in mortality rates.

The later clergyman made first an apprenticeship as a pharmacist. He finished his higher school education at Breslau's Maria-Magdalen grammar school. In 1667 he became a student of theology at the university of Jena, eventually he was ordinated priest. A journey through Germany and Switzerland followed, Neumann travelled as companion and tutor of the heredetary princes of duke Ernst the Pious. Back home he became a court-chaplain at Altenburg, and married the daughter of J. J. Rabe, physician in ordinary to the prince of Saxe-Friedenstein. In 1678 he became the deacon of St. Maria-Magdalen in Breslau. In 1680 he published his prayer-book under the title Kern aller Gebete in Jena. In 1689 he became vicar of St. Maria Magdalen, Breslau. His observations on the city's mortality rates resulted in the treatise “Reflexionen über Leben und Tod bey denen in Breslau Geborenen und Gestorbenen” which he finally sent to Leibnitz – the covering letter is documented, the text itself is lost. Leibnitz seems to have informed the Royal Society of Neumann's work. The society's secretary Henri Justel invited Neumann in 1691 to provide the Society with the data he had collected. Neumann's mail is lost, Edmond Halley's computations digesting Neumann's data have, however, survived – published in the Transactions of the Royal Society of 1693. In 1697 Neumann was appointed inspector of the Protestant schools and churches of Breslau. He eventually became vicar of St. Elisabeth and professor of theology at both the city's grammar schools. Neumann influenced Johann Christian Kundmann (1684-1751), who later published the first German comparative study of mortality rates in the Sammlung von Natur- Medizin- sowie auch dazu gehörigen Kunst- und Litteraturgeschichten (1718) ff.

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Taken on April 1, 2010