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Troika | by h.koppdelaney
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Troika

Troika

 

HKD

 

Die Troika

Mein Verstand, meine Gefühle und ich.

 

Lebendigkeit verbinde ich mit Gefühlen. Natürlich kann man eine lebendige Phantasie haben, doch auch in diesem Fall suche ich durch meine Vorstellungen bestimmte Gefühle in mir zu erwecken. Mit dem Anstieg meines emotionalen Pegels intensiviert sich meine Lebendigkeit. Das war und ist mein Ziel: Ausbau des Spektrums meiner Gefühle.

Ich stellte mir also die Frage: Welcher Art sind meine Gefühle? Helle? Dunkle? Rabenschwarz oder Taubenweiß? Black or White?

Ein Blick zurück in meine „Midlife-Krise“:

Ich sah natürlich, dass andere Charaktertypen über ihr spezifisches Gefühlsspektrum verfügen und wünschte mir auch für mich gewisse Stärken, die ich nicht besaß. Auch fehlte mir die Fähigkeit zu herzlichen Beziehungen, und ich beneidete Paare, deren Beziehung sichtlich mit dem Herzen des Kindes geschlossen wurde.

In jungen Jahren trieb mich die Gier um, und ich wünschte mir mehr Abstand und Gelassenheit. Wie könnte ich zur Ruhe kommen?

Ich bewunderte Menschen, die sich der Meditation, der Innenschau zuwandten, und als ich eines Tages schließlich selber versunken auf dem Kissen saß und über den Sinn meines Lebens nachdachte, erkannte ich den Pfad auf dem ich mich befand. Er nannte sich Nekya, die dunkle Nacht der Seele.

Der Blick zurück ist ein Blick der Analyse. Untersuchung, Bewertung, Erkennen und Wandel der psychischen Strukturen aufgrund der Erkenntnisse.

Durch den Wandel der Psyche, durch die Befreiung von ihren übernommenen Ego-Strukturen wandelte sich mein Lebensstil. Und durch ihn meine Umgebung, meine Welt.

Ich öffne mich immer noch für neue Gefühle und schlüpfe in die Form, die sie annehmen wollen. Bestimmte Gefühle erzeugen in mir ein herrisches Verhalten. Andere wiederum holen den Lehrer oder den Besserwisser in mir hervor. Gewisse Gefühle kitzeln meine gewieften, kaufmännischen Fertigkeiten hervor und ich lasse mich nicht von kleinen Gaunern übervorteilen. Wenn auch ich einer von ihnen bin, bzw. sein kann, traue ich ihren Versprechen nicht, bringe meine Vorzüge aber leicht an den Mann oder an die Frau.

Manchmal liegt meine Reizschwelle so niedrig, dass ich mich schnell provoziert fühle und kämpferisch meine Vorstellungen durchsetze. Und dann wieder das Gegenteil. Die Fähigkeit zur Distanz kühlt das System ab und die Vernunft gibt mein Handeln vor. Ich denke zuerst und handele dann.

Ordnung schaffen, meine Unterlagen verwalten, Texte bearbeiten und auch Staubsaugen geschehen an Tagen, an denen mir die Lust dazu zur Verfügung steht. Gut, das kommt nicht so häufig vor, aber eben darum freue ich mich über diese Gefühle, wenn sie auftauchen.

Gefühle für das Gärtnern, für frisches Grün und biologisches Gemüse tauchen so regelmäßig auf, dass ich mir vor ein paar Jahren einen Gemüse- und Kräutergarten zutraute und ihn bis heute bearbeite. Ein kleines Gewächshaus kam kürzlich hinzu.

Auch die Liebe zu Tieren vertiefte sich. Hühner, Katzen, Tauben und jede Menge Wildvögel und Rehe in unserem Garten bewohnen auch mein Herz. Durch die Rückschau und die Suche nach Gott in mir konnte ich immer mehr Menschen vergeben und vor allem auch mir, denn die Rückschau offenbarte mir meine dunkle Seite und all jene Situationen in denen ich meinen Mitmenschen Schmerzen zufügte.

Jetzt kommen Gefühle hinzu, die mich sanft und freundlich stimmen und durch die es mir selbstverständlich erscheint, allen Lebewesen auf ihrem Weg durch die Existenz helfen zu wollen. Doch ich muss mich nicht aufdrängen, im Gegenteil, ich darf meine Freiheit behalten. Einseitige Gefühle dieser Art zwingen in ein Helfersyndrom mit dem Resultat von Burn-Out.

Spielerisch, künstlerisch, hedonistisch und lustvoll auf mich selbst bezogen bin ich gelegentlich und genieße die kleinen Versuchungen, denn wer weiß, ob sie wiederkommen.

Natürlich sind nicht alle Gefühle gleichzeitig da. Und manche von ihnen überwiegen in gewissen Lebenszyklen über Monate oder gar Jahre hinweg. Doch alles in allem ist meine Gefühlswelt eine ziemlich runde Sache geworden. Und mein Verstand staunt, was da alles an Lebendigkeit so durchfließt. Wir haben Spaß, mein Verstand, meine Gefühle und ich.

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on March 5, 2013