The Helpless

 

Blind and Helpless

 

HKD

 

Betriebsblind in Millionenhöhe

 

Mitglieder der Geschäftsleitung eines großen Unternehmens waren mit dem Zug auf dem Heimweg. Meinen gebuchten Fensterplatz fand ich im voll besetzten Abteil frei gelassen.

Mit zwölf Personen hatten sie eine Fachmesse besucht und waren eine gute halbe Stunde mit ihrem Thema beschäftigt, das um die Einführung neuer Technologien kreiste.

Einerseits ging es um die Frage, ob man den Konzern um die neuen Produkte erweitert, was Millionen Investitionen erfordern würde, oder ob man versuchen solle, sich möglichst rechtzeitig aus diesem Branchenbereich rauszuziehen und die betroffene Konzernsparte so schnell wie möglich zu verkaufen.

Axel, der Personalchef gab zu bedenken, dass bei einem Teilverkauf des Konzerns ebenfalls ein Betrag in Millionenhöhe anfällt, Stichwort Abfindungen.

Bernd, der Chef der Abteilung Forschung und Entwicklung sagte: „Bis wir ein reifes eigenes Produkt auf den Markt bringen können, vergehen drei Jahre. Bis dahin müssten wir 800 Mann durchschleppen. Die Messe hat gezeigt, dass die Käufer schon auf die neue Technik setzen.“

Arnold, der Finanzchef sagte: „Wie konnten wir die neue Entwicklung nur verschlafen? Die Fachzeitschriften waren schon vor drei Jahren voll davon. Dieses Verschlafen, kostet uns jetzt Millionen!“

Bernd fühlte sich angegriffen. „Der Vorstand hat uns auf andere Forschungsgebiete geschickt. Und schließlich haben wir drei neue Modelle in zwei Jahren ans Laufen bekommen…“

Arnold unterbrach: „Die jetzt völlig wertlos sind…“

„Das stimmt“, sagte der Chef der Marketing Abteilung. „Dafür brauchen wir nicht einmal mehr neue Kataloge drucken lassen.“

„Beschwert euch bei Vorstand der Konzern-Mutter“, sagte Bernd. „Wir haben getan, was uns gesagt wurde. Wir haben niemanden bei uns, der Zeit hat, sich um Dinge zu kümmern, die gerade irgendwo auf der Welt erfunden werden.“

Jens, der Marketingchef nickte und sagte: „Ich fürchte, wir sind betriebsblind geworden. Wir setzen eine Entwicklung von zwei Jahren in den Sand, verlieren Teile des Konzerns, weil wir nicht mehr über den Tellerrand hinaussehen konnten.“

Bernd betonte: „Das sind Erfindungen, die an den Hochschulen vorbei gegangen sind. Alexander, der sein Diplom vor zwei Jahren gemacht hat, weiß von den neuen Techniken auch nichts. Er sitzt im Nebenabteil. Fragt ihn dazu. Wir sind nicht verkalkt, Wir haben ein junges Team. Das Ausbildungssystem ist nicht mehr auf dem Laufenden.“

Jens sagte: „Wir sollten die Schuld jetzt nicht verschieben. Das hilft uns in der Situation nicht weiter. Wir brauchen in Zukunft einen Informationsdienst, der uns mit jenen Dingen auf dem Laufenden hält, die unsere Branche betreffen. Und wir brauchen jemanden in der Leitung, der diese Informationen liest, filtert und regelmäßig die Abteilungsleiter in den Briefings davon in Kenntnis setzt. Wir hätten bereits vor einem Jahr die Entwicklung der drei neuen Modelle einstellen können. Selbst das hätte Millionen gespart.“

„Zurück zum Heute“, sagte Arnold. „Was schlagen wir der Konzernmutter vor? Verkaufen oder investieren? Und dann ist die Frage, wie werden wir neu finanziert?“

„Da wir die neue Technik verschlafen haben“, sagte Jens, „und nichts Neues in der Schublade haben, schlage ich vor, die beiden betroffenen Betriebe sofort zu verkaufen. Bis die Messeneuheiten direkt beim Verbraucher landen, dauert es noch zwei Jahre. Die neue Technologie kann bei unserer Konkurrenz noch nicht in Großserie gehen. Mit anderen Worten, wir bieten ein Unternehmen mit noch sehr guten Bilanzen an. Wenn wir uns beeilen, kommen wir mit einem blauen Auge davon.“

„Dann lasst uns jemanden suchen dem wir es auf dasselbige drücken können“, sagte Axel.

„Dann brauchen wir noch Dümmere als wir.“, sagte Bernd.

Jens lachte: „Keine Bange, die gibt es…“

 

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Taken on December 20, 2010
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