2018 25 Jahre MEP Meilen
Das historische Städtchen Meilen, rechtsufrig und mittig am herrlichen Zürichsee gelegen, war Ort für die am Samstag zur Jubiläumsfeier 25 Jahre Modelleisenbahner Pfannenstiel geladenen, aus dem Welschland, Bern, Wiggertal, Basel, Zug, Zürich und Nordostschweiz angereisten G1MRA-Freunde und Gäste der MEP.

Sie kamen alle. Nach anstrengendem Treppensteigen mit gewichtigen Holzköfferchen, schwer schnaufend noch, trotzdem allerbeste Laune versprühend, traten sie ein in die Meilener Spur 1 Erlebniswelt. Vom «Ballast» befreit, dann nach rundum Händeschütteln, herzlichem Salü und «Wie geht’s Dir» ging’s sogleich zur «Sache». Aber nicht wie man vermuten könnte, zum Auspacken und Anheizen, sondern um sich erst einmal vergnüglich und interessiert der Kontaktpflege hinzugeben. Der mitgebrachte leckere Basler Speckkuchen, Gipfeli mit heissem Zmorge-Kafi und Schöggeli im Angebot, animierten zusätzlich zum Verweilen.

Während sich auf und an den Anheizgeleisen ganz allmählich Betriebsamkeit und vertieftes Tun entwickelte, begutachteten andere mit grossem Interesse die Präsentation einiger Eigenbauten von MEP-Modellbauern. Dass z.B. der von Ueli Sch. ausgestellte, aus Holz mehrschichtig und kunstvoll modellierte Personenwagen, auch über 100 selbstgefertigte Metallteile beinhaltet, bewies das im Schaukasten ausgelegte, vollständige Konvolut äusserst eindrücklich und verblüffte die Betrachter ungemein. Ein anderes, sehr zeitgemässes Beispiel präsentierte Yves R. mit seinem hoch detaillierten Gotthard-Güterwagen, den er auf der Basis seiner am PC gezeichneten Vorlagen im 3D-Druckverfahren fertigen liess.

Ein Ergebnis das sich nicht mehr toppen, dafür umso mehr bestaunen lässt, verbunden vielleicht mit einem unterschwellig mulmigen Gefühl, mit dem soeben Bestaunten einer unabwendbaren, aber logischen Technik-Wende begegnet zu sein, die unsere traditionelle, handwerkliche und maschinelle Metallbearbeitung wohl bereits in naher Zukunft verschwinden lassen wird.

Auf den Gleisen herrschte nun reger Bahnbetrieb. Neben Schmal- und Normalspurigem Dampfzügen waren auch die Elektrischen unterwegs, wie zum Beispiel das hoch detaillierte, grüne «Krokodil Ce 6/8» von Bruno R. mit Original-Sound und die kleine, ebenfalls grüne, hübsche «GWR 45er 2-6-2» von Susanne Z.

Ein schwer beladener und ebenso keuchender, neuer Gast trat ein, …Remo T. in Persona. Grosses Hallo natürlich, und gleichzeitig im Hinterkopf die Frage Aller: Was kann er uns wohl über den Baustand des «SBB-Elefant C5/6» Neues berichten und zeigen?

Seine dann auf dem Tisch ausgebreiteten Komponenten, wie Kessel, Fahrwerk, Tender und Zurüstteile widerspiegelten eine ungewohnt hohe Präzision und Detailtreue. Ein vielbeachteter Augenschmaus für jeden Betrachter. Remo berichtete auch über erzielte Fortschritte und die nächsten Schritte an seinem sehr anspruchsvollen und erfolgversprechenden Projekt.

Zum angekündigten Aperitif hin wurde es ruhig auf den Gleisen und die Feuer gelöscht. Das anschliessende, gemeinsame Mittagessen, Kartoffelsalat und gebratener Fleischkäse, fand grossen Anklang, mundete allen ganz vorzüglich, wie die abschliessenden Desserts auch.

Recht rasch herrschte wieder Vollbetrieb und vieles zu geniessen, wie z.B. die urtümliche «Grasshopper» von Rolf E. mit ihrer komplizierten und senkrecht arbeitenden Dampfmaschine, mit einem dazu passenden, unglaublich filigran bemalten Droschken-Züglein am Haken, vorbei dampfen zu sehen.

Martin H’ mächtige «DR 53-0001 Mallet», mit ihrem Zug gemächlich dahin dampfend zu sehen, war beeindruckend. Dieser während dem 2WK auf dem Reissbrett fertig entworfene Lok-Typ war für Truppenverschiebungen über grosse Distanzen vorgesehen, wurde jedoch nicht mehr gebaut, schilderte uns der stolze Besitzer Martin H.

Ein besonderer Gegensatz war die Turbinenlokomotive «PRR S2» von Werner J. Diesen beeindruckenden Komplett-Eigenbau realisierte er in der Rekord-Bauzeit von lediglich drei 3 Jahren. Erwähnenswert ist, dass die beim Original am Triebradumfang gemessene, effektive Maschinenleistung der Hauptturbine wesentlich höher war, als wie bei den BigBoy’s und Challenger’s, jedoch und logischerweise nicht die Zugkraft am Haken.
Ein Genuss war es und eine Freude auch, Werners ferngesteuerte und lauffreudige «S2» im Einsatz miterlebt zu haben.

Viele andere, ebenso erwähnenswerte Lokomotiven und Züge waren im Einsatz zu bestaunen, was den Rahmen dieses Berichts doch bei Weitem sprengen würde, sind aber in der Bildstrecke zu sicherlich zu entdecken.

Leider und fast unbemerkt neigte sich der sehr gefreute Tag seinem Abend entgegen. Die Feuer wurden gelöscht, nochmals für kurze Zeit bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen, um vielleicht die eine oder andere Tagessequenz gemeinsam Revue passieren zulassen. Dann verpacken und verladen der Loks und zum Abschied Händeschütteln mit einem herzlichen «Danke vielmals, es war schön bei euch und bis Bald». Zufriedene Gesichter auch bei den Gastgebern rundum.

Der Sonntag-Nachmittag war den Clubmitgliedern reserviert, um ihren Familien, samt Enkeln und Enkelinnen, sowie Bekannten ihre Modell-Schätze auch einmal im realen Betrieb zeigen zu können. Die MEP-Akteure verstanden es dann auch, mit grösster Hingabe und Können, wirklichkeitsnahen Bahnbetrieb zu zelebrieren und verblüfften damit ihr ohnehin schon begeistertes Publikum noch zusätzlich.

Drei Pullman-Züge und SBB-Dreiachser vom Allerfeinsten, sowie ein Güterzug kamen zum Einsatz, jeweils am Haken sprit- und kohlegefeuerter Dampflokomotiven, oder SBB-Elektrolokomotiven. Viele Fragen wurden gestellt, beantwortet und führten zu manch interessanten Gesprächen und Kontakten. Auffallend war zudem das auch von den anwesenden Damen gezeigte, echte Interesse. Ihre grösste Freude und Bewunderung galt allerdings mehr den sehr kunstvollen und aufwendig gestalteten Dioramen und Szenen aus der «Provence», «Arley» und «Zürich Oberland», an und hinter den Gleisen, vielleicht bald auch rundum.

Kaffee, Tee und Kuchen aller Art fanden regen Zuspruch und so konnte mancher Durst und/oder Glüschtli gelöscht resp. befriedigt werden.

Ein genussvoller Familien-Nachmittag ging zu Ende. Die Gastgeber durften ihre vom Erlebten höchst zufriedenen und aufgestellten Gäste mit dem verdienten Gefühl, eigentlich alles richtig gemacht zu haben, verabschieden.

*MEP-Geschichtliches in Kurzform:

Am 2. April 1993 war es, als sich eine stattliche Zahl von Mitgliedern der Eisenbahnfreunde Zürich rechtes Ufer (EZRU), im Restaurant Bahnhof in Meilen versammelten, um einen neuen Verein gründen. Da die meisten Mitglieder ohnehin in der Region Pfannenstiel wohnhaft sind und dort auch Standort des Vereinslokals sein soll, lag schlussendlich auch die Namensgebung auf der Hand.

Im bis heute gültigen, kunstvollen Logo, vom damaligen Mitglied und Architekt Ernst Meyer massgebend mitgestaltet, stellen die Vereinsinitialen MEP eine Dampflokomotive in voller Fahrt dar, wobei der ausgeschriebene Schriftzug das Gleis darstellt.

Als Vereinslokal wurde in Männedorf in einer alten Gerberei ein Dachraum gefunden und gemietet. Der persönliche Aufwand für die Neugestaltung des stark verschmutzten Raumes, unter der Regie von Ernst Meyer, war gross. Bereits Ende 1993 waren die ersten Schienen verlegt und ein normaler Vereinsbetrieb konnte aufgenommen werden.

Am 31, August 1998, nach nur 5 Jahren, endete die Männedorfer-Ära mit einem Kündigungs-schreiben auf Grund eines geplanten Abbruchs der Liegenschaft. Nach intensivem Suchen stiess man auf die Telefonzentrale Meilen. Im September 1998 wurde an einer ausserordentlichen Generalversammlung dem Mietvertrag der Swisscom Rapperswil zugestimmt und am 19. Oktober 1998 unterzeichnet.

Damit hatten die Modelleisenbahner Pfannenstiel ab dem 1. März 1999 wieder ein Zuhause und gleichzeitig eine Rückkehr an den Gründungsort Meilen. Zuerst galt es die Logistik des Umzuges zu bewältigen. Damit ein gewünschter Anlagenbau möglich wurde, musste auch dieses Lokal mit grösstem Arbeitseinsatz, grossen finanziellen Mitteln so angepasst und mit einem zweiten Boden ausgerüstet werden, um den gewünschten Platzbedarf realisieren zu können.

Wieder zu einem normalen Vereinsbetrieb zurückgekehrt, konnte mit dem Wiederaufbau von Anlagen in den Spuren Z, N, H0, 0 und 1 begonnen werden. Dabei zeigte sich ein weiteres Mal die gute Zusammenarbeit unter den Mitgliedern, mussten doch verschiedenste Interessen unter eine Hut gebracht werden.

Ein vom Präsidenten monatlich verfasstes Bulletin orientiert diejenigen Mitglieder, die nicht regelmässig am Vereinsleben im Baulokal teilnehmen können. Ausserdem betreibt der Verein eine eigene Webseite unter www.mep-meilen.ch.

*Die obigen Angaben zur MEP-Geschichte sind Auszüge aus der Festschrift «20- Jahre Modelleisenbahner Pfannenstiel» des Verfassers Werner Riolo aus dem Jahre 2013.

Die MEP Heute:

Das Vereinslokal der MEP befindet sich nach wie vor im Gebäude der Swisscom in Meilen. Die bisher darin betriebene, halbmechanische und viel Wärme erzeugende Telefonzentrale wurde durch eine moderne Digital-Anlage ersetzt und so verschwanden die im Vereinslokal montiert gewesenen, voluminösen Zu- und Abluftkanäle und die MEP gewannen zusätzlichen Raum und Kopf-Freiheit.

Im Verlauf der letzten Jahre sind die Spurweiten Z, N und H0 Vergangenheit geworden. Gefahren wird heute nur in der «Spur 0» (Elektrisch/digital) und «Spur 1» (Dampf und Elektrisch/digital). Die Spur 0-Anlage befindet sich heute auf dem Zwischenboden und ist hauptsächlich das Reich des Stäfner Heinz H.

Die Dioramen bekamen allmählich ihr heutiges Gesicht. An den Gleisen der doppelspurigen Strecke konnte, dank gut geplanten Volleinsätzen, in kurzer Zeit alle Schwellenbänder ersetzt und mit dem vorhandenen Schienenprofil wieder bestückt werden. Die Neuschotterung übernahm Ueli Sch.

So kann man sich heute voll und ganz dem Fahrbetrieb widmen, ohne dabei die eine oder andere
Verschönerung, respektive Verbesserung der Spur 1 Anlage nicht aus den Augen zu verlieren.
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30. Oktober 2018
Heinrich Schartner
Fotos: csc/wr/hs
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