Filmpremiere: Dat du mien Leevsten büst ?
01.03.2015 im cine k in der Kulturetage

„Selbst die allgemeinste Erlernung und Verbreitung der hochdeutschen Sprache übt so lange gar keinen oder selbst nachteiligen Einfluss auf die Volksbildung, als neben ihr Plattdeutsch die Sprache des gemeinen Lebens bleibt …“ schreibt 1834 Ludolf Wienbarg. So also stört die hochdeutsche Sprache den plattdeutschen Sprecher nicht eigentlich. Vom Norden aus gesehen, dürfen die hochdeutschen Sprecher also getrost mit ihren etwas trocken klingenden Äußerungen fortfahren. Wer aber hat damit anfungen...diese wohlklingende norddeutsche Sprache nicht mehr zu sprechen...was mutt passeren, bis eine Sprache stirbt…Was braucht eine Sprache, um zu leven…wann ist eine Sprache doot bleeven, wie viele Menschen braucht es, damit eine Sprache lebt...Wann lebt eine Sprache, wo överlevt een Spraak, kann man eine Sprache am Leven erhalten, wie viel Lachen und Weinen braucht eine Sprache, wo veel Weten, wi viele Worte, wo veel Geföhl…wie viel Frieden und wie viel Streit…wo veel Leevde un Trurigkeit, Melanklöteree…Witz. Zärtlichkeit, Schönheit. Kann jede Sprache überall leven, braucht es ein Klima, eine bestimmte Landschaft, veel Regen, veel Sünnschien? Braucht sie den Nebel, de Fröst um van‘n Winter snacken to können, warum kommen niege Wöör, wer erfindet sie, oder weern se all dor...woar kummt de Lüst een Spraak to sprechen her, wenn doch die Masse eine andere snackt. Wat maakt een Spraak mit mi, was versäume ich…levt een Spraak ohn Schrift, Gedichte, ohne das Schweigen in dieser Sprache...wenn düsse Spraak de verleden Tiet is, kann man denn de Welt van vandaag in düsse Spraak beschrieven…

Das Lied durchzieht den Film wie ein Herzschlag und fragt: Warum soll man, warum will man, lieben, warum lachen und weinen in dieser Sprache?

Roland Steiner ist Regisseur, Autor und Kameramann. Der aus Berlin stammende und seit vielen Jahren in Oldenburg lebende Dokumentarfilmer machte sich u.a. einen Namen durch filmische Portraits von Günther Walraff, Erich Fried oder Regielegende Peter Zadek. Für das PLATTart – Fesival 2013 hat er sich bereits zu einer filmischen Begegnung mit dem Niederdeutschen hinreißen lassen, die ihr Ergebnis in einer filmischen Installation „Sprachraum: Niederdeutsch“ fand.
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