100-Jahre-Gedenken der Abtrennung Süd-Tirols
KRONPLATZ-„Mächtig durch den Glaubens Stütze“, ein Wort aus der alten Kaiserhymne, das der heutigen Zeit ein wenig fremd geworden zu sein scheint, war an diesem Sonntag der Leitspruch einer Gedenkveranstaltung der Pustertaler Schützen am Kronplatz. Liegt denn die Macht des modernen Menschen, wie der Philosoph Immanuel Kant schreibt, nicht schon seit 200 Jahren im eigenmächtigen „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“? Und doch, auch heute, am 23. September 2018, am Kronplatz bei Bruneck, versammelten sich 500 Schützen, Marketenderinnen und Freunde der Schützen um den Altar, auf dem sie – wie ihre Vorfahren – das Opfer eines Gottes vergegenwärtigten, der auf seine Allmacht verzichtet und aus Liebe ein Mensch unter Menschen geworden ist.
Davor gedachten sie auch der 100 Jahre, die Süd-Tirol nun schon vom restlichen Tirol und vom Vaterland Österreich getrennt ist. 100 Jahre, die zumindest in der ersten Hälfte von Demütigung, Unterdrückung, Vertreibung und Unterwanderung gekennzeichnet waren. Trotz einer schier erdrückenden Schicksalsmacht, ist es den Tirolern südlich des Brenners gelungen, im Glauben festzu-stehen, die Hoffnung zu bewahren und die Liebe über die Revanche zu stellen. Das heutige Gedenken am Kronplatz wurde von der SK Anton Steger Bruneck und vom Schützenbezirk Pustertal ins Zeichen des letzten Kaisers und gefürsteten Grafen von Tirol, des nunmehr Seligen Kaiser Karl gestellt. Diesen erhob die Kirche aufgrund seines Einsatzes für den Frieden, seiner christlichen Haltung als Herrscher und seines vorbildlichen Familienlebens 2004 zur Ehre der Altäre. Die anwesende kaiserliche Hoheit, Erzherzog Georg von Österreich zitierte in seiner Gedenkrede den heiligen Papst Johannes Paul II: „Für die Kirche ist es nicht wichtig, was man erreicht, es ist wichtig wie man etwas erreicht und jeden Tag arbeitet und jeden Tag leistet.“ Dies hätte sein Großvater, der Selige Kaiser in vorbildhafter weise gelebt, so der Kaiserenkel. Glaube und Politik sind auch heute keine notwendigen Gegensätze und so erklärte auch der Landeshauptmann von Süd-Tirol Arno Kompatscher: „Er hat auch verstanden, dass die Politik letztlich die Verantwortung für das Volk hatte.“ Er sprach auch über den europäischen Gedanken, „der seine Wurzeln schon im Habsburgerreich hatte, dort hatte man schon die Idee der vielen Sprachen und Kulturen, die zusammenleben. Wo man auch dem Rechnung trägt, dass in der Vielfalt auch die Schönheit liegt und jeden in seiner Identität, in seinem Heimatbewusstsein stärkt und schützt.“ Der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes Mjr. Elmar Thaler lobte den weitblickenden Staatsmann Kaiser Karl, der seinen Völkern das Selbstbestimmungsrecht ermöglichen wollte, spannte einen Bogen in die heutige Zeit und sagte bezüglich zum Thema Doppelpass: „Wenn ich mir die Diskussion der letzten Tage anschaue, dann möchte Italien nicht nur darüber bestimmen, welchen Staat unser Land angehört, sondern auch welcher Nation sich jeder einzelne zugehörig fühlen darf“. Altlandeshauptmann von Tirol DDr. Herwig van Staa freute sich, dass er eingeladen wurde, um bei dieser Veranstaltung die Einheit des Landes zu komplettieren. Er betonte die besondere Verbundenheit des Hauses Habsburger mit dem ganzen Tirol. Beim anschließenden Pontifikalamt fasste der Abt des Stiftes Wilten, Raimund Schreier, der Erb-, Haus- und Hofkaplan des Landes Tirol, dann mit Blick auf die Lesungen und den Seligen Kaiser Karl zusammen: „Kaiser Karl war ein Zeuge der Gottesliebe, der christlichen Spiritualität.“ Am Schluss der Heiligen Messe wurde dann von SKKH Erzherzog Georg eine Gedenktafel an der Schützenkapelle am Kronplatz enthüllt und eine Reliquie des Seligen Kaisers übergeben, die im Anschluss in die Kapelle eingesetzt wurde. „Wie in der feierlichen Messe selbst, werden wir dort unseren vormaligen Landesvater, den Seligen Karl von Österreich auch weiterhin um: „Freiheit, Landeseinheit und gerechten Frieden“ anrufen“, so die Pusterer Schützen. Dazu wird die SK Anton Steger Bruneck alljährlich eine Bergwallfahrt organisieren, zu der schon jetzt alle herzlich eingeladen sind. Die Organisation der Veranstaltung oblag Florian Georg Grabenweger von der Schützenkompanie Bruneck. Das Kommando der gesamten Feier führte Bezirksmajor Erich Mair. Als Ehrenkompanie fungierte die Schützenkompanie Nussdorf-Debant aus Osttirol, die Feier wurde von der Musikkapelle Reischach feierlich umrahmt.
Ps.: Eine große Abordnung der Schützenkompanie Wilten hat an dieser Veranstaltung teilgenommen.

(Text: Südtiroler Schützenbund)
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