Ein Foto ist ein Foto ist ein Foto ist ein Foto.

Eigentlich wurde schon alles fotografiert. Allein die Annahme, man würde gerade etwas Einmaliges fotografieren, wird meistens dadurch getrübt, dass man bei näherem Hinsehen und Suchen im Internet haufenweise ähnliche Fotos des gleichen Motivs entdeckt.

Eigentlich gibt es kaum einen Ort oder einen Menschen, der nicht schon vielfach fotografiert wurde. Vielleicht sogar besser, als man es selber kann. Erst wenn man sich näher mit der Fotografie auseinandersetzt, wird man feststellen, dass die Fotos oftmals doch nur ähnlich sind, aber keineswegs immer die gleiche Aussage haben.

Als Fotograf kann ich einen Augenblick festhalten, einen bestimmten Augenblick, vielleicht sogar den bestimmenden Augenblick. Ich kann eine Stimmung vermitteln, Freude oder Trauer zeigen, Anspannung und Entspannung oder Glück und Elend oder eine Geschichte. Aber alles was man zeigt, ist Teil des Lebens der Menschen, Teil seiner künstlich geschaffenen Umgebung oder Teil der Natur, in der wir alle leben. Viele große Fotografen des letzten Jahrhunderts haben uns gezeigt, wie sie die Welt sahen. Und jeder hat sie etwas anders gesehen.

Hobbyfotografie im Allgemeinen

Die Marketing-Abteilungen der Fotogerätehersteller pflanzen schon seit Jahren den mitunter ideenlosen Hobbyfotografen teilweise merkwürdige Ideen in die Köpfe, um teuerstes Equipment an den Mann zu bringen. Equipment, das sonst nur Berufsfotografen kaufen würden, um für Geld einen Fotojob zu erledigen. Berufsfotografen machen Zweckfotografie. Sie werden dafür von ihrem Auftraggeber bezahlt, der die Fotos für bestimmte Zwecke benötigt, meistens in der Werbung und im Marketing oder bei bestimmten Events.

Ganze Horden von Hobbyfotografen fotografieren heute Objekte und Dinge ("Produktfotografie"), nackte Frauen ("Akt mit Anleihen zur Pornographie"), schöne Frauen ("Modefotografie"), bewegte Objekte ("Sportfotografie") und zwar ohne jeglichen Zweck. Streetfotografie verkommt zur schlichten Abbildungsfotografie, teilweise sogar ohne Menschen ("hab ich aber auf der Straße aufgenommen").

Dafür wird natürlich immer das teuerste, das neueste und schnellste Fotoequipment benötigt. Sind die technischen Errungenschaften der nächsten Kamerageneration auch noch so gering, das Neue lockt. In endlosen Vergleichen wird in absolut nicht praxisrelevanten Testreihen sich selbst und den anderen Hobbyfotografen bewiesen, was für ein toller Hecht man ist. Weil man wieder tausende Euros für neue Technik verbrannt hat. Die Asche dieser monetären Verbrennungsaktion wärmt aber noch nicht einmal, schon mal gar nicht das Auge des Betrachters, der gar nicht erkennt und zu würdigen weiß, um wieviel besser jetzt doch die fotografischen Ergüsse sein müssten. Die Marketingfalle der Fotogerätehersteller hat wieder vollumfänglich zugeschlagen.

Das Fotografieren von gestellten Situationen wird zum Selbstzweck. Man fotografiert für einen nicht existenten Auftraggeber und für ein virtuelles Publikum, das gar nicht existiert. Vieles ist einfach auch nur Nachahmerfotografie. Schlimmer noch: Tausende machen es und viele machen es sogar recht gut, dass sie Geld damit verdienen könnten, wäre der Markt der Berufsfotografen nicht schon übersättigt. In der Masse fällt der Einzelne aber kaum auf. Das ist nicht gut für's Ego und somit muss alsbald nachgelegt werden. Wenn nichts mehr hilft, dann widmet man sich in der Endphase doch der Aktfotografie, nackte Frauen ziehen ja immer irgendwie, auch wenn es noch mehr Geld kostet.

So arbeiten sich die Horden der Hobbyfotografen an ganzen Genres ab, pflegen die Selbstbeweihräucherung in Fotoclubs oder Foren und zeigen sich ihre neuesten Präzisionspretiosen auf selbst organisierten "Kaffeefahrten" mit städtischem Fotorundgang zum Ausführen derselben. Ein Schauspiel, dass nicht selten zum Trauerspiel verkommt. Langweilig wird es aber den sich in der Tretmühle befindlichen Hobbyfotografen eher selten, denn die Marketingabteilungen der Fotohersteller sorgen schon dafür, dass der nächste heiße Scheiß wieder neue Begehrlichkeiten weckt, um sich vermeintlich in neuen oder weiteren Foto-Genres zu "professionalisieren", mit welchem Zweck auch immer.

Ich selbst fotografiere ohne Beschränkung auf ein bestimmtes Genre. Ohne Anspruch auf das Besondere oder das Einzigartige. Einfach nur Augenblicke, so wie ich sie gesehen habe. Für mich ist Fotografie ausschließlich ein Stück Dokumentation unserer zeitgenössischen Umgebung, auf der Reise oder im Alltag. Ich habe Spaß an der Technik, aber es muss nicht immer das neueste Werkzeug sein. Wichtig ist, dass es mir Spaß macht. Spaß an der eingesetzten Technik und am Fotografieren. Das ist für mich ebenso wichtig, wie das Ergebnis, das Foto. Ich stehe in keinem Wettbewerb, mir ist egal was andere Hobbyfotografen machen und außerhalb des Wunsches der eigenen Dokumentation verfolge ich kein Ziel beim Fotografieren. Wenn meine Fotos anderen gefallen, dann freut mich das. Wenn nicht, dann eben nicht.

Eine Kamera für mich

Das Fotografieren lag wohl in der Familie. Ich freue mich immer, wenn ich die alten Fotosammlungen meines Opas durchforste, die mir eine andere Welt zeigen, seine Sicht auf die Dinge und Menschen vor über 60 Jahren. Seine Kamera hat heute noch einen Ehrenplatz bei mir.

Die Faszination für die Technik einer Kamera habe ich hingegen von meinem Vater, dem ich schon von Kindesbeinen an über die Schulter schauen durfte, wenn er komplizierte mechanische Fotoapparate zerlegte und ihnen binnen kürzester Zeit wieder das Leben einhauchte, das sie schon vor längerer Zeit verloren hatten. Einfach so. Er konnte es halt.

Neben der Fotografie als Hobby hat mich schon immer die Kameratechnik als solche fasziniert. Sei es in Form einer kleinen, mechanischen Sucherkamera, die ihre Genialität durch Reduktion auf das Wesentliche darstellt oder in Form eines hochtechnisierten und mit Elektronik vollgestopftem High-End-Modells. Viele Wege führen zum Ziel, dem Foto.

Schon vor geraumer Zeit bin ich aber davon abgekommen, mich dem allgemeinen Trend in der Hobbyfotografie zu stellen und immer mit dem neuesten, fettesten und schwersten Equipment durch die Gegend laufen zu müssen. Eierlegende Wollmilchsäue sind mir mittlerweile zuwider. Auch habe ich keine Lust mit mehreren Kilo schweren Fototaschen oder Rücksäcken durchs Land zu ziehen, um am Ende des Tages festzustellen, dass man ohnehin die ganzen Optiken wieder nicht gebraucht hat, die man den ganzen Tag geschleppt hat. Irgendwann war dann auch der Punkt erreicht, an dem ich erkannte, dass selbst Zoomoptiken, außerhalb von fotografischen Zwecken, an denen der Fotograf nicht mal eben seinen Hintern näher oder weiter vom Objekt der fotografischen Begierde entfernen kann und wo Geschwindigkeit gefragt ist, um keine Situation zu verpassen ("Berufsfotografen"!), wenig hilfreich sind. Eine neue Perspektive schafft man mit einem Zoom nicht, sondern nur einen Ausschnitt.

Daher fotografiere ich mittlerweile fast ausschließlich mit Festbrennweiten. Konnte ich früher nicht verstehen, wie man sein halbes fotografisches Leben mit zwei oder drei Festbrennweiten gestalten kann, folge ich mittlerweile dem gleichen "weniger ist mehr"-Trend und entdecke neue Perspektiven beim Fotografieren. Meine Kamera muss die wesentlichen Funktionen bieten und sensortechnisch nicht ganz von gestern sein, das reicht schon. Meistens schalte ich fast alles in einer Kamera ab und konzentriere mich nur noch auf Blende und Zeit. Mehr braucht es nicht. Ein Image Stabilizer ist schön, aber es geht notfalls auch ohne.

Epilog

Im Rahmen meines Interesses für spiegellose Systemkameras haben ich 2008 zusammen mit Andreas Jürgensen, dem Betreiber des weltweit größten Leica-Forums, das Systemkamera-Forum und später das Fuji-X-Forum gegründet und betrieben. Beide Foren haben sich in kürzester Zeit zu den größten deutschsprachigen Foren in ihrem Segment entwickelt.

Aus zeitlichen und beruflichen Gründen, denn ich verdiene meine Brötchen seit mehr als 23 Jahren als selbständiger Informatiker in meiner eigenen Firma TryTec! Microsystems, bin ich bei beiden Foren nach ein paar Jahren als Betreiber ausgestiegen und Andreas führt sie seit dem weiterhin mit großem Erfolg alleine weiter.

Urheberrecht
Ich betreibe die Fotografie als Hobby ohne jegliche kommerzielle Absichten. Ich fotografiere weder für Geld, noch übernehme ich irgendwelche Auftragsarbeiten. Alle Aufnahmen unterliegen meinem Urheberrecht und dürfen ohne meine schriftliche Erlaubnis weder kopiert, noch verändert oder weiterverarbeitet werden.

© 1995-2019 jmschuh Photography

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