2014.02.26 Rathenow - Rathenow zeigte Flagge, für Vielfalt, gegen Rassismus
Zu einer spontanen Aktion der Rathenower Zivilgesellschaft kam es am heutigen Nachmittag in Rathenow. Ungefähr 25 Menschen bekannten sich um 15.30 Uhr vor dem Kreiskulturhaus am Märkischen Platz mittels Transparenten und Buchstaben, die zusammen die Wortgruppe: „Flüchtlinge Willkommen“ bildeten, zu Vielfalt und gegen Rassismus in der havelländischen Kreisstadt.

Zuvor hatte die mutmaßlich durch die NPD gesteuerte „Bürgerinitiative: Nein zum Heim in Premnitz und Rathenow“ im Internet angekündigt, sich ebenfalls hier zu versammeln. Diese wollte, anlässlich der im Kulturhaus stattfindenden Stadtverordnetenversammlung, Unterschriftenlisten gegen den geplanten Neubau eines Asylheims am Grünauer Weg übergeben.
Und tatsächlich: Gegen 15.30 Uhr kamen auffällige junge Herren im Dress der bei Neonazis beliebten Modemarke Thor Steinar an, ebenso wie der NPD Kreisverbandsvorsitzende Havel-Nuthe, Michel Müller.
Dieser versuchte so dann auch gleich mit den eigentlichen Urhebern der Unterschriftenaktion gegen den Neubau, die sich ebenfalls vor dem Kulturhaus sammelten, anzubandeln. Hierbei handelte sich allerdings hauptsächlich um Anwohner_innen, die keine grundsätzlichen Vorurteile gegen Asylsuchende haben, so jedenfalls ihr Sprecher Jörg Rakow (CDU). Er sei lediglich gegen einen „Containerkomplex“, wie ihn der Landkreis plane, und wünsche sich eine bessere Verteilung der Asylbewerber_innen auf Kreisebene. Zudem favorisiere er eine Unterbringung der Asylsuchenden in Wohnungen, notfalls aber in stillgelegten Kasernen.
Von den Trittbrettfahrern der Internetseite „Nein zum Heim in Premnitz und Rathenow“, die ebenfalls mit Rakows Unterschriftenlisten für ihre Zwecke warben, sowie von der NPD distanzierte sich Rakow jedoch nachdrücklich. Gemäß seinen Aussagen laufe gegen die Betreiber der Bürgerinitiativenseite bereits sogar eine Unterlassungsklage.

Nichts desto trotz ist eine derartige Unterschriftenkampagne, die zu dem noch stolz ein Banner mit der Aufschrift „Über 903 Unterschriften gegen Asylbewerberheim Grünauer Weg“ hochhält, durchaus kritikwürdig. Zumindest symbolisch verwischen hier Grenzen, die Demagogen, gerade auch im Vorfeld der Kommunalwahlen, Chance bieten, in ihrem Sinne davon zu profitieren.

Für Rathenow war es deshalb wichtig, dass ein klares Zeichen zu setzen, dass Flüchtlinge hier sehr wohl willkommen sind.

Wichtig wäre aber auch, dass der Landkreis Havelland sich künftig besser mit seinen Kommunen abstimmen würde, anstatt einen reinen Verwaltungsstreit auf Kosten von Asylsuchenden voranzutreiben.
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