Wege erwachsenen Glaubens
Gemeinde in Be-WeG-ung
Treffen der ostbelgischen Kontaktgruppen im Pfarrheim Weywertz
29.02.2012
Weitere Infos:
www.weg-vallendar.de/gib

und hier:
www.weg-vallendar.de/trier

Wege erwachsenen Glaubens (WeG) – Gemeinde in Be-WeG-ung
Steht in Ostbelgiens Kirche ein Perspektivwechsel an?

Weywertz

Am Mittwochabend fanden sich auf Initiative der drei Dekanate Ostbelgiens über 150 Mitglieder der Kontaktgruppen Ostbelgiens im Pfarrheim Weywertz ein, um sich mit einer neuen Perspektive in der Katechese und allgemein in der Pfarrseelsorge auseinanderzusehen, die sich „Wege erwachsenen Glaubens“ (WeG) nennt und dabei Chancen für die Pastoral im Pfarrverband, nicht zuletzt auch beim Zusammenwachsen der Seelsorgeeinheiten, beinhaltet.

„Was wir heute gehört und erlebt haben und das große Interesse so vieler Kontaktgruppenmitglieder ist ein hoffnungsvoller Ausblick, denn vieles, was wir in der Seelsorge unternehmen, ist in der aktuellen Situation schwierig geworden“, so Bischofsvikar Jean Pohlen am Ende des Abends. „Die Umsetzung des Weges, Erwachsene prioritär in den Blick zu nehmen und Neues zu wagen braucht natürlich Zeit, aber wenn schon einige begeistert sind, wird es Kreise ziehen.“

Bereits am Nachmittag hatten sich Ostbelgiens Priester zusammen mit Bischof Aloys Jousten mit dem Pastoralkonzept „Gemeinde in Bewegung“ von der Projektstelle Vallendar bei Koblenz beschäftigt, nachdem sie sich am Vormittag mit der Situation der Regionalkirche in der Deutschsprachigen Gemeinschaft befasst hatten. „Der Austausch unter Priestern im Kloster Montenau war sehr offen und tiefgehend“, erklärte der Bischofsvikar.

In der Fastenzeit 2011 hatten zahlreiche Christen in den ostbelgischen Pfarrverbänden an dem Glaubensweg „Unterwegs nach Emmaus“ teilgenommen, nachdem vorher bereits nicht wenige Personen den vom Arbeitskreis kirchliche Erwachsenenbildung (AKE) durchgeführten Kompaktkurs „Das Feuer neu entfachen“ erlebt hatten.

Der „Emmaus-Weg“ war der Auslöser für den folgenden Schritt, sagte Dechant Jean Pohlen. Die Verantwortlichen des Kurses von der Projektstelle Vallendar bei Koblenz wollten erfahren, welchen Anklang der Glaubenskurs in Ostbelgien gefunden hat. Bei einem Rückblick mit den Verantwortlichen in St.Vith war die Idee entstanden, diese Wege erwachsenen Glaubens in eine Gesamtpastoral einzubetten, erklärte der Bischofsvikar. „Glaubenskurse sollen kein Inselerlebnis bleiben, sondern für die Pastoral des Pfarrverbandes fruchtbar gemacht werden.“

Der St.Vither Dechant weiß aus Erfahrung, dass bei Christen sich bei Exerzitien über eine längere Zeit mit dem Glauben auseinandersetzen, etwas wachgerufen wird, das sie vorher nicht ahnten. „Genau das fehlt in unseren Pfarrverbänden, wo wir meistens nur zeitbegrenzte Angebote haben.“ In dem Projekt „Wege erwachsenen Glaubens“ aus Vallendar erkennt Jean Pohlen die Möglichkeit, „in einem Pfarrverband den Glauben zu bedenken, zu vertiefen und ihn mit anderen zu teilen.“ Das Projekt „Gemeinde in Bewegung“ beinhalte ein völlig neues Konzept, das zudem das Bistumsprojekt „Baustelle Pfarren“ spirituell unterstützen könne.

Der Initiator des „Vallendarer Glaubenskurses“, Pallotiner-Pater Dr. Hubert Lenz, war am Ende der Begegnung mit den Verantwortlichen der Pfarrverbände „sehr gerührt“. In den Augen der Teilnehmer(innen) habe er sehr viel Interesse gesehen. Es hat ihn besonders gefreut, dass die Hälfte der Anwesenden bereit ist, in diese Richtung weiter zugehen. „Der Bischof hat am Nachmittag in Montenau bestimmte Dinge noch stärker als wir betont und sieht die Situation ähnlich“, freute sich Pater Hubert Lenz. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in Ostbelgien weitere ‚Wege erwachsenen Glaubens‘ gehen können.“


NACHGEFRAGT
Pater Hubert Lenz (Initiator)
Erwachsene brauchen Hilfe im Glauben

Der 59-jährige Pallotiner-Pater Hubert Lenz hat die Glaubensbegleitung Erwachsener als eigenes katechetisches Feld erkannt. Der Initiator des Vallendarer Glaubenskurses erklärt uns die Anliegen und Ziele von „Wege erwachsenen Glaubens“.

Seit 1992 werden in Vallendar Glaubenskurse für Erwachsene angeboten. Warum solche Kurse?
Viele Wege, auf denen über Jahrhunderte hinweg der Glaube weitergegeben wurde, erreichen heute nicht mehr ihr Ziel. Schaut man auf die Erstkommunionvorbereitung, wird schnell klar, dass es da nicht nur um die Kinder, sondern auch um deren Eltern und Katecheten geht und gehen sollte. Viel hängt davon ab, dass Kinder tatsächlich Erwachsene als Glaubenszeugen erleben.

Oft sagen Erstkommunionkatecheten, dass sie selbst aus der Vorbereitung großen persönlichen Gewinn ziehen. Ein Indiz, dass Erwachsene in Sachen Glaube durchaus Bedarf haben?
Auf jeden Fall. Die Katecheten spüren, dass bei der Begleitung der Kinder ihr eigener Glaube gefragt ist. Da dieser nicht selten auf der Kinder- bzw. Jugendstufe stehen geblieben ist, suchen sie nach Hilfen, um auch selbst im Glauben erwachsen zu werden. In unserer Pastoral brauchen wir deshalb mehr katechetische Angebote, die sich ausdrücklich an Erwachsene richten, und zwar unabhängig davon, ob diese Eltern sind oder nicht. Bedenkt man, dass sich Kinder auch in ihrer Glaubensentwicklung stark an Erwachsenen orientieren, dann wird schnell klar, dass solche Angebote auch der Kinder wegen wichtig sind.

Sie sagen, vielfach fehlt ein Glaube, der erwachsenengemäß ist. Was ist „erwachsener Glaube"?
Jesus hat die Menschen nicht durch Druck oder Faszination an sich gebunden, sondern jeden Einzelnen herausgefordert, sich frei für Ihn bzw. für ein von Herzen kommendes Vertrauen zu Ihm zu entscheiden. In dem Maße, wie sich Erwachsene mit all ihren Erfahrungen auf die Haltung und den Prozess gelebten Gottesvertrauens einlassen, werden sie im Glauben „erwachsen". Solch ein Reifungsprozess geschieht nicht automatisch. Selbst Menschen, die nicht nur getauft, sondern auch christlich aufgewachsen sind, brauchen als Erwachsene bei ihrer Suche nach einem persönlichen Glauben Hilfe und Unterstützung.

Woran erkennt man einen erwachsenen Glauben?
Das Gebet wird persönlicher, die Sakramente werden als Lebensquellen erfahren, der persönliche wie der gemeinschaftliche Umgang mit der Bibel und die Fähigkeit, über den eigenen Glauben zu sprechen, nehmen zu, der Umgang mit den Mitmenschen verändert sich - nach einer Zeit intensiverer Beschäftigung mit dem eigenen Glauben wird man auch wacher für die Nöte der Zeit und der Mitmenschen.

Braucht es denn dazu der Glaubenskurse?
Natürlich gibt es solche Entwicklungen auch ohne Glaubenskurse. Aber derartige Glaubenswege haben sich inzwischen als Hilfe zu einem lebendigen und überzeugten Glauben bewährt.


Prioritätsverlagerung von der Kinder- zur Erwachsenenkatechese
Abschied nehmen von ehemals bewährten Wegen

Seit längerem ist man sich auch in Ostbelgien bewusst, dass die auf volkskirchliche Strukturen zugeschnittene Glaubensvermittlung bei Erstkommunion- und Firmvorbereitung trotz großen Aufwands unter den veränderten Bedingungen kaum noch ans Ziel führt. Das familiäre und gesellschaftliche Umfeld, das die Kinder und Jugendlichen stützte und die nachwachsende Generation wie selbstverständlich in das christliche Leben einführte, ist weggebrochen.

Damit kommen Erwachsene neu in den Blick: zunächst als Eltern bei Taufe, Erstkommuni¬on und Firmung, doch zunehmend auch um ihrer selbst willen. Die Glaubensbegleitung Erwachsener wird vermehrt als ei¬genes Arbeitsgebiet der Seelsorge erkannt. Seit mehr als zehn Jahren haben viele Menschen in Ostbelgien an Glaubenskursen des Arbeitskreises Kirchliche Erwachsenenbildung (AKE) unter der Leitung von Kaplan Karl-Heinz Calles vom Haus „Samaria“ in Eupen teilgenommen.

Welche zentrale Bedeutung die Glaubensförderung Erwachsener für die Zukunft von Glaube und Kirche hat, wird immer mehr bewusst, erklärte Pater Hubert Lenz aus Vallendar. „Leider wurden daraus zu wenige Konsequenzen gezogen, so dass in der Pastoral die Erwachse¬nenkatechese noch immer nicht die ihr zukommende Priorität hat, nicht zuletzt auch dadurch, dass die bisherige Pastoral viel Kraft bindet und daher keine zukunftsweisenden Perspektiven eröffnet.“ Frustration sei so vorprogrammiert.

Die neue Vallendarer Initiative „Wege erwachsenen Glaubens" (WeG) beinhaltet allerdings mehr als die Durchführung von Glaubenskursen. Es geht zugleich um Perspektiven und Chancen für die Seelsorge im Pfarrverband. „Allerdings fehlte es an Erfahrungen und Kon¬zepten, an ermutigenden Perspektiven und Unterstützung, um sich hier tatsächlich auf neue Wege einzulassen“, berichtete Pater Lenz

Wenn vor Ort ein Prozess in Gang kommen soll, der die Pastoral nachhaltig anstößt, benötigen die neuen Seel¬sorgeeinheiten Unterstützung und WeG-Begleitung „von außen". Diese Einsicht hat Pater Lenz und seine Mitarbeiter(innen) des Vallendarer Glaubenskurses veranlasst, so etwas wie „Gemeinde-Exerzitien" zu entwickeln: ein pastorales Angebot, das intensivere Erfahrungen mit Glau-benswegen für Erwachsene ermöglichen und diese auch in der Pastoral verankern möchte.

Solch einen „Impuls von außen" gab es früher durch Volks- bzw. Gemeindemissionen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Erwachsenen, die Anstöße zur Erneuerung und Verlebendigung ihres Glaubens erhielten. „Gemeinde in Be-WeG-ung“ möchte an diese positiven Erfahrungen mit Gemeindemission anknüpfen. Damit sollen nicht nur der persönliche Glaube und die Bildung von Kleingruppen gefördert, sondern auch die Veränderungen und das Zusammenwachsen der neuen Pfarrverbände unter¬stützt werden, betonte Hubert Lenz.

„Gemeinde in Be-WeG-ung bietet eine „geistliche Auszeit“ an. Diese Intensivzeit wird in einer entsprechenden Phase der Information und Motivation, des Kennenlernens und der Entscheidungsfindung vorbereitet und durch ein externes WeG-Team gestaltet. Dieses Team arbeitet mit einem zuvor ge¬bildeten Team des Pfarrverbandes zusammen (internes WeG-Team). Um das Angebot nachhaltig zu sichern, bedarf es vor Ort der Bereitschaft, sich auf solch einen spirituellen und pastoralen Prozess einzulassen. Neben der genannten Phase der Erkundung und Zielverständigung spielen dabei die Schulung und Begleitung des internen WeG-Teams eine zentrale Rolle. Dieses Team wirkt bei der Durchfüh¬rung mit und sorgt für die Weiterführung des Begonnenen.
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