Shinson Hapkido Abschlussfeier 2006
Abschlussfeier des 22. Sommerlagers
des Shinson Hapkido in Elsenborn
27.07.2006
Sporthalle Worriken/Bütgenbach (Belgien)

Mensch und Natur im Einklang / Abschlussveranstaltung des Shinson Hapkido in Worriken

Die innere Lebenskraft stärken und festigen

Bütgenbach
von Lothar Klinges

Zu einem „Festival des Lebens“ waren die Menschen am vergangenen Donnerstagabend in die großen Worriken-Turnhalle, die aus allen Nähten platzte, eingeladen. Weit über Tausend Zuschauer erleben einen Galaabend der Superlative, der wohl niemanden unberührt nach Hause gehen ließ.
Dr. Carlo Lejeune aus Büllingen und Sigrid Bujack-Blecher aus Hamburg hießen die erwartungsvollen Zuschauer aus Nah und Fern willkommen und führten erläuternd durch diese Spitzenveranstaltung, die Höhepunkt des diesjährigen 22. internationalen Sommerlagers des Shinson Hapkido in Elsenborn war, das über 700 Teilnehmern aus ganz Europa zusammenführte. In einer großen Zeltstadt eingangs von Elsenborn am Kulturzentrum Herzebösch ging es neben den Hapkido-Trainingseinheiten auch um Urlaub und einen lebensechten Kulturaustausch.

Benefizveranstaltung

Höhepunkt dieses einwöchigen Famielienlagers, an dem der Gründer und Großmeister des Shinson Hapkido Ko Myong persönlich teilnahm, war die große „Shinson Hapkido Kampfkunstshow“ im Zentrum Worriken-Bütgenbach, bei der es sich um eine Benefizveranstaltung handelte, die sowohl dem Öko-Hof Peters in Emmels als auch einem Haus für Straßenkinder und alte Menschen in Peru zugute kommt.
Gleich zu Beginn dieses grandiosen Abschlussfestes sprang der Funke der Begeisterung der 158 Kampf- und Bewegungskünstler auf das erwartungsvolle Publikum über, das ein abwechslungsreiches und ausdrucksvolles Programm erleben sollte.

Lebensenergie schützen

Der Name „Hapkido“, der zunächst befremdlich klingen mag, hat eine konkrete Bedeutung: „Hap“ bezeichnet die Harmonie von Körper und Geist, „Ki“ heißt die Lebens- und Körperenergie, „Do“ steht für den Weg des Lebens und des Lernens. Gleich zu Beginn des Gala-Abends war „große Stille“ angesagt, damit die Schüler und Lehrer des Hapkido Kontakt zur Natur aufnehmen konnten und anhand von Atemübungen ihre eigenen Selbstheilungskräfte und die Lebensfreude stärken konnten. Um Gesundheit und Leben zu schützen, braucht es einer einfachen und guten Atemtechnik wie z.B. der Bauchatmungstechnik, die die innere Lebensenergie kontrolliert, so der Großmeister Ko Myong seinem GE-Exklusiv-Interview.

Die Zuschauer spürten somit gleich zu Beginn, dass es sich hier nicht um irgendeine Sportsveranstaltung handelt. Eine „Bewegung für das Leben“ nennt sich der Shinson Hapkido. Leben ist Bewegung, das harmonische Zusammenwirken von Körper, Lebenskraft (Ki), Herz und Geist, weshalb im Shinson Hapkido nicht die sportliche Leistung im Vordergrund steht, sondern die Förderung der Gesundheit und vor allem die Ausbildung zur einer herzlichen Menschlichkeit. Das Wesen dieser Menschlichkeit ist die Klarheit des Geistes und die Liebe des Herzens.

Lebenskraft stärken

Die verschiedenen eindrucksvollen und zum Teil sensationellen Bewegungsübungen sind lediglich Techniken, die dem Ziel dienen, die innere Lebenskraft zu stärken, und die in jedem Menschen enthaltene Lebensenergie zu schützen und zu festigen. Der Weg dahin geht über die Bewegung und verschiedene Hilfstechniken, die die Lebensfreude stärken wollen.
Denn Techniken, so Atem berauschend und spektakulär sie auch sein mögen, können nicht heilen, sie können höchstens das Herz und die innere Heilkraft aktivieren, so dass eine Heilung möglich wird. Jeder Mensch trägt eine natürliche Selbstheilungskraft in sich, die durch gesunde und natürliche Bewegungen aktiviert wird. Durch ein ausgewogenes Training von Körper und Geist erkennt der Mensch sich wieder als Teil der Natur und des Universums und wird sich seiner ursprünglichen Kraft bewusst. Die am Abend durchgeführten Hand- und Fußtechniken wurden deshalb weniger mit Muskelkraft als mit innerer Aufmerksamkeit und innerer Kraft ausgeführt, so Dr. Carlo Lejeune. Die Hand- und Fußtechnik zielt auf die Verbesserung der Körperfunktionen sowie auf das Erreichen innerer Ausgeglichenheit.

Katzenfalltechniken

Insbesondere die beeindruckenden Fallübungen, die den ganzen Abend zu erleben waren und den eleganten, geschmeidigen und federnden Bewegungen der Katze nachempfunden sind, zeigen eine innere Haltung im Menschen auf: Durch das beständige Üben der Falltechniken wird der Körper fest und elastisch. Das Fallen wirkt wie eine Massage auf den gesamten Organismus. Mit Atemtechnik und innerer Achtsamkeit verbunden führe die Fallübung zum inneren und äußeren Lösen und Loslassen. Die Gedanken und das Herz werden leichter und es entwickeln sich Selbstvertrauen und Mut, so Sigrid Bujak aus Hamburg, die darauf hinweist, dass Shinson Hapkido die Quelle der Lebenskraft und –freude im Menschen freilegen will.

Gesunder Körper und klares Herz

In einer Welt, in der nicht das Herz und die Menschlichkeit an erster Stelle stehen, sondern Leistung, Materialismus, Luxus und Amüsement, würden Körper und Geist, Mensch und Natur, letztlich Mensch und Gott voneinander getrennt, wo sie doch eine tiefe Einheit bilden (sollten).

Durch die Shinson Hapkido Lehrmethode des Vertrauens, der Achtung, der Geduld, der Bescheidenheit und der Liebe schöpfe der Mensch Mut und Hoffnung, da er spüre, dass Himmel, Erde und Mensch eins seien. Mit der Einstellung, die Großmeister Ko Myong immer wieder unterstreicht „Ich bin schön, ich bin gut, ich kann es“ finde der Mensch zu einem gesunden Selbstvertrauen, so die Katholikin Sigrid Bujack, die über Shinson Hapkido zum Glauben an Gott zurück gefunden hat.

Ausbildung zur Menschlichkeit

Am Abend der Galavorstellung wurde dem Zuschauer immer deutlicher vor Augen geführt, dass die Techniken mit einer allumfassenden Ausbildung zur Menschlichkeit verbunden sind. Die besten Selbstverteidigungsübungen dienen nicht dem Kampf, sondern wollen Frieden schaffen, so der 70-jährige Martin Backes aus Elsenborn und Präsident der ostbelgischen Shinson-Hapkido Schulen (Dojangs) von Amel, Elsenborn, Eupen und Sankt Vith, der seit 1981 eine wichtige Triebfeder des Shinson Hapkido in Ostbelgien ist.

Su-Techniken

Die staunenswerten Selbstverteidigungstechniken (Su), die bei der Abschlussveranstaltung auch von der ostbelgischen Hapkido-Familie in beeindruckender Weise vorgeführt wurden, wollen Angst abbauen helfen und zu mehr Menschlichkeit führen. Die Angst werde durch Vertrauen ersetzt, weshalb die eigene Lebenskraft (Ki) wieder fließen kann. Ein „Hapkidoka“ – so nennen sich die Kämpfer – blockt Tritte und Schläge seines Angreifers nicht ab. Er nutzt die Energie des Gegners aus und leitet den Angriff in eine kreisförmige Bewegung um. Holt der Kontrahent beispielsweise zu einem seitlichen Fußtritt aus, kann der Angegriffene diesen Fuß greifen und ihm einen Stoß geben, so dass sich der Angreifer um die eigene Achse dreht, die Koordination verliert und der Tritt ins Leere geht.

„Ziel aller Techniken ist es, den Gegner kampfunfähig zu machen“, sagt Ostbelgiens Hapkido Präsident Martin Backes. Ein Leitsatz besagt: „Ein Hapkidoka ist niemals der Erste, aber immer der Letzte“. Er schlägt also nicht zuerst zu, ist aber in der Lage, eine Auseinandersetzung zu kontrollieren und jederzeit in seinem Sinne zu beenden.

Besonders weniger kräftigen Menschen (z.B. Frauen, ältere Menschen….) gibt die koreanische Kampfkunst eine Chance, sich selbst zu verteidigen. Ob sieben oder 70 Jahre – Menschen jeden Alters, so Martin Backes, können die asiatische Kampfkunst lernen. Denn die Lehrmethode berücksichtige die körperliche Voraussetzung jedes Einzelnen. So könne jeder seine eigenen Möglichkeiten voll ausschöpfen. Deswegen sei die Kampfkunst zum Beispiel auch für Behinderte geeignet. Nicht wenig beeindruckt zeigte sich das Publikum, als Fred aus Deutschland, der von Kindheit an blind ist, in der Worriken-Sporthalle Bewegungskünste zum Besten gab, da nicht die einzelnen Sinne wie Sehen, Hören oder körperliche Unversehrtheit entscheidend seien, sondern das Zusammenspiel aller Elemente, so Dr. Carlo Lejeune am Abend.

Der den gesamten Abend sich ständige wiederholende Energieschrei (das Kihap) diene dazu, die Lebensenergie anzukurbeln und Körper und Geist in Einklang zu bringen. Das Kihap will die Konzentration stärken und die Energie blitzartig entladen. Ein echtes Kihap sei voller innerer Kraft und klinge niemals aggressiv, hieß es am Abend. Der Ki-Schrei befreie von inneren Ängsten und Verspannungen.

Formlauf

Nach einer kurzen Pause staunte der Besucher nicht wenig wegen des Kranich-Formlaufs, einer Kombination von Formen und Bewegungen. Ein Formlauf gleicht einem Tanz, bei dem man sich zur Melodie des eigenen Herzens bewegt. Das Ziel ist es nicht, eine fremde Form so perfekt wie möglich nachzuahmen, sonder die eigene natürliche Form wieder zu finden und auszubilden.

Ebenso beeindruckend waren Techniken mit den verschiedensten (Alltags-) Gegenständen (Stock, Tuch, Fächer, Messer usw). Das Training mit Gegenständen wie z.B. einem Stock erfordert Achtung sowie einen klaren Geist. Es beginnt und endet mit einer innerlichen Besinnung (Son) und ist mit größter Konzentration und Achtsamkeit durchzuführen.

Bruchtests

Die Bruchtests erregten wiederholt das große Interesse beim aufmerksamen Publikum. Diese Tests wollen das Selbstvertrauen und den Lebensmut steigern und Angst überwinden helfen. Nicht die Kraft zur Zerstörung will damit demonstriert werden, so Sigrid Bujak, sondern die Fähigkeit, körperliche und geistige Energie zusammenzubringen und gezielt in eine Richtung zu lenken. Dies zeigte abschließend der Shinson- und Hapkido-Meister (Sonsanim) Ko Myong und Gründer der Lebens- und Bewegungskunst Shinson Hapkido, bei seinem Spezial-Bruchtest mit dicken Fluss-Kieselsteinen, der die Begeisterungsstürme auf den Siedepunkt brachte.

Damit ging eine packende und bewegende Kunstschau zu Ende, die weit über Ostbelgiens Grenzen hinaus Spuren hinterlassen wird in einer Welt, die sich so sehr nach einem natürlich-herzlichen Umgang, sowie nach einem gesunden und echten Leben sehnt.

Groß-Zenmeister Sosanim Ko Myong im Gespräch mit dem Grenz-Echo / Jesus Christus ist für mich Meister
Sich mit Mensch und Natur verbunden fühlen

Elsenborn.


Aus Anlass des 22. internationalen Sommerlagers des Shinson Hapkido in Elsenborn führte das GE ein Exklusivinterview mit dem Großmeister, Sonsanim Ko Myong. Zen-Meister Ko Myong wurde am 12.Januar 1953 in Südkoreas Hauptstadt Seoul geboren und ist Gründer des Shinson Hapkido. Er begann seine Ausbildung in Son (Buddhistische Meditationspraxis, bekannt als Zen) und den traditionellen koreanischen Künsten der Heilung und (inneren wie äußeren) Selbstverteidigung. Er studierte in verschiedenen Klöstern und Dojang (Kampfkunstschulen) nahe Seoul. Durch zahlreiche Besuche in Klöstern und Schulen im ganzen Land gewann er darüber hinaus tiefe Einsicht in Kultur, Weisheit und verschiedene traditionelle Künste seines Heimatlandes.

Zu Beginn des Jahres 1978 wurde Sonsanim (Meister) Ko Myong eingeladen, die Kunst der Selbstverteidigung in Europa zu unterrichten. Der heute 53-jâhrige kam am 23. März 1978 nach Europa und lebt in Darmstadt, dem Zentrum des Verbandes.
Inzwischen hat er einige seiner Schüler und Schülerinnen selbst zu LehrerInnen herangebildet, die über ganz Europa verstreut Schulen in Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Spanien und Deutschland betreuen.
Mit Shinson Hapkido möchte Großmeister Ko Myong die Menschen auf den Weg zu einem natürlichen Leben führen, auf einen Weg von Frieden, Ausgeglichenheit und Harmonie mit Menschheit und Natur. In seinem Buch „Bewegung für das Leben“ hat Sonsanim Ko. Myong sein Wissen, viel über die Geschichte des Hapkido und seines Landes und über Techniken und Philosophie des Shinson zusammengetragen.

• Sonsanim Ko Myong, Sie sind der Gründer einer weltweiten Bewegung: Welcher Gedanke, welche Idee stand am Anfang des Shinson Hapkido?

Meine Gründungsidee vor 28 Jahren war Mensch und Natur in Einklang zu bringen und alles Trennende zu überwinden. Im Grunde geht es dabei um die Einheit von Mensch und Gott und wie zu dieser Einheit finden. Vor etwa 13 Jahren hat sich in meinem Leben ein entscheidender Prozess abgespielt. Ich habe mehr und mehr verstanden, dass nicht ich allein der Gründer bin, sondern unsere ganze Gemeinschaft, letztlich Gott. Mich zum Gründer oder Großmeister zu machen, beinhaltet die Gefahr übermütig zu werden und wäre alles andere als Demut. Ich möchte allen Tendenzen entgegenwirken, die mich zu einem göttlichen Wesen oder zu einem Guru hochstilisieren wollen. Diese neue Sicht, die ich 1993 mehr und mehr verstanden habe, macht mich allerdings verwundbar, gibt den Menschen, mit denen ich zu tun habe, aber Freiheit und befreit auch mich von Druck.

• Wie kam es dazu, dass Sie Shinson Hapkido entwickelt haben?

Als Koreaner habe ich in meinem Land eine Kampfkunstsportart kennen gelernt. Ich wollte diese Kampfsportart zu einer „Bewegung für das Leben“ entwickeln. In unserer Welt gibt es genug Kampf, Auseinandersetzung und Konkurrenzdenken. Ich will dem Leben dienen und zu einer Kultur des Lebens, eines gesunden und natürlichen Lebens beitragen.

• Was bedeutet für Sie „gesundes und natürliches“ Leben?

Das hat für mich mit Herzlichkeit zu tun. Wenn ich mich tief im Herzen mit den Menschen und mit der Natur verbunden fühle, dann lebe ich gesund. Ein gesundes Leben finde ich, wenn ich im Glauben verankert bin. Shinson Hapkido ist ein Werkzeug, das mir hilft dieses gesunde und natürliche Leben zu finden, in dem ich mich selbst erkenne und eine tiefe herzliche Liebe zu mir selbst und zu anderen entwickele.

• Was heißt für Sie „Glauben“? Glauben Sie an Gott?

Ich glaube an Gott. Ich bin Christ, evangelischer Christ. Meinen christlichen Glauben habe ich von Kind auf durch meine Eltern empfangen, wenngleich ich meine Ausbildung in buddhistischen Klöstern erhalte habe. Meinem Glauben an Jesus Christus bin ich stets treu geblieben.

• Sie nennen sich „Sonsanim“, zu Deutsch: Meister. Haben auch Sie einen Meister?

Mein Lehrer und Meister ist Jesus Christus. Er ist für mich Vorbild. So wie er gelebt hat, so bin auch ich eingeladen zu leben.

• Worin ist Jesus Christus ihr Vorbild?

Vor allem in seiner bedingungslosen Liebe. Er hat geliebt, ganz und gar, ohne irgendwelche Vorbedingungen. Auch seine Demut und seine Hingabe, sein Leben mit anderen zu teilen, hat mich zutiefst ergriffen.

• Wieso nennt man Sie „Sonsanim“, zu Deutsch: Meister?

Von mir selber sage ich niemals, dass ich Meister bin. Ich bin nicht „(Groß-)Meister“. Bei uns gibt es kein „oben“ oder „unten“. Bei uns sind alle gleich. Meine Aufgabe als Lehrmeister bringt es mit sich, dass die Menschen mich „Meister“ nennen. Jedoch handelt es sich hierbei lediglich um eine Aufgabe und einen Dienst, den ich ausübe.

• Sie sagen: „Alle sind gleich“. Warum gibt es bei Ihnen Unterschiede nach Gürtelfarbe. Auch bei den Danträgern gibt es verschiedene Stufen? Führt das nicht zum Konkurrenzdenken?

Hierbei handelt es sich um keine Unterschiede zwischen „oben und „unten“. Die verschiedenen Stufen kann man verstehen in Verbindung mit den vier Jahreszeiten vom weißen Gürtel bis zum schwarzen Gürtel. Hier geht es nicht um Konkurrenzdenken, sondern um das innere Wachsen und Heranreifen, um meine innere Entwicklung auf dem Weg zu einem gesunden Leben in Einheit mit der Schöpfung, im Einklang mit Mensch und Natur.

• Wie kommt es, dass Shinson Hapkido so viel Erfolg in Europa hat?

Es gibt so viele Sportvereine. Die Menschen, ob jung oder alt, sind Mitglied in Sportvereinen. Bei Shinson Hapkido handelt es sich um eine alle Generationen übergreifenden Bewegung, weshalb die Menschen sehr lange bei uns bleiben. Wir begrenzen uns nicht nur auf den Sport, sondern haben den ganzen Menschen im Blick. Bei Shinson Hapkido geht es um einen inneren Weg, eine Lebenshaltung, eine innere Einstellung zum Leben.

• Welche Grundsätze sind Ihnen auf diesem inneren Weg wichtig?

Es sind fünf Grundsätze, die wir lehren und nach denen wir zu leben versuchen und die wir ins Leben umsetzen möchten. Sie bilden die Grundlage des Shinson Hapkido: Das Vertrauen - Midum, was für mich auch Glauben bedeutet; der Respekt -Yeev unter uns Menschen, Jung und Alt, der Respekt mit der Natur; die Geduld - Innee, die uns auch davor bewahren will, in Habgier alles haben zu wollen; die Bescheidenheit und Demut - Giomson, die ja auch für Jesus Christus sehr wichtig war und schließlich die natürliche, herzliche Liebe – Sarang.

• Worauf bauen Sie Ihr Leben? Was ist das Fundament Ihres Lebens?

Für mich persönlich ist der Glaube an Jesus Christus das Fundament meines Lebens. Gott ist mein ganzes Leben. Durch den Glauben finde ich zu mir selbst, zu meinem wahren Selbst und damit auch zu Gott. Und der Weg bedeutet Gott zu finden. Für mich ist Gott in mir und ich bin in Gott. Nicht wenige Menschen haben über unsere Bewegung, über diesen Weg wieder zum Glauben (zurück) gefunden. Unser innerer Weg will eine Brücke schaffen zum eigenen Glauben und den eigenen Glauben (wieder) entdecken helfen.

• Dem außen stehenden Besucher fällt gleich der friedvolle Atmosphäre und eine herzliche Harmonie auf, mit dem man sich auf dem Sommerlager begegnet, als sei es wie das Paradies auf Erden.

Für uns „ist“ Himmel, Erde und alle Lebewesen eins. Ich sage bewusst „ist“ eins. Denn würde ich „sind“ sagen, mache ich bereits eine Trennung. Himmel, Erde und Menschen bilden eine untrennbare Einheit. Aus dieser Perspektive heraus, entsteht ein tiefer Respekt untereinander, mit der Erde und mit dem Himmel. Wenn wir diese Einheit leben würden, gäbe es keine Kriege mehr. Shinson Hapkido ist ein Weg zur Harmonie von Körper, Geist und Lebenskraft. Zu dieser Harmonie finden wir nur in einer Atmosphäre der herzlichen Achtung von Mensch und Natur. So lernen wir das Leben auf natürliche und gesunde Weise genießen. Unser Weg und Ziel ist Menschlichkeit zu trainieren, zu verbreiten und zu erreichen. In einem Sommerlager trainieren wir ein respektvolles Miteinander, auch über die verschiedenen Religion hinaus. Hier finden wir die verschiedensten Religionen vereint.

• Worauf legen Sie in Ihren Übungen großen Wert?

Bei unserem Bewegungs- und Gesundheitstraining geht es nicht um Leistung oder gar um Spitzenleistung. Das Ziel unseres Trainings ist das richtige Maß zu finden, mein eigenes Maß, meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Atemübungen spielen in unserem Lebensprogramm eine große Rolle, denn ohne Atmung gäbe es kein Leben. Schon auf den ersten Seiten der Bibel haucht Gott dem Menschen den Lebensatem ein. Ohne diesen Atem wäre der Mensch eine leblose Masse, wie Lehm. Auch das richtige Atmen verhilft zu einem gesunden, natürlichen Leben.

Mensch und Natur im Einklang / Abschlussveranstaltung des Shinson Hapkido in Worriken
„Hapkido gibt mir innere Kraft und mehr Selbstbewusstsein“

Geschichtliches

Shinson Hapkido entwickelte sich aus den alten Kampfkünsten Koreas, welche wiederum während der 5000-jährigen Geschichte Koreas vom Naturglauben und der Heilkunst des Schamanismus, von den Lehren des Konfuzianismus, des Taoismus und Buddhismus beeinflusst wurden.

Im 4. Jahrhundert n.Chr. beanspruchte die Königsfamilie die Kampfkünste für sich und untersagte die Verbreitung der Lehren für das einfache Volk, da sie die Wirksamkeit der Techniken für die Selbstverteidigung als auch für Geist und Gesundheit entdeckt hatte.
Dort lebten die Hanol-Lehre (wie Shinson-Lehre: Über die Einheit und Vollkommenheit der Natur) in Form von Gesängen, Tänzen, Spielen und Turnieren, oft im Anschluss an buddhistische Gebets- und Opferzeremonien weiter.
Mit der Gründung der Hwarang (Blumenjugend) im Jahr 576 n.Chr. wurde ein Ereziehungssystem entwickelt, in das auch Politik, Religion/Philosophie, Wissenschaft und Kunst (auch die Kampfkunst) einbezogen waren, sodass Körper, Geist, Mensch und Natur in der Hwarang harmonisch miteinander verbunden und gemeinsam weiterentwickelt wurden.
Im 12. Jahrhundert wurde die Kampfkunst fast nur noch zu militärischen Zwecken genutzt. Es wurde ein Buch über die Arten und Techniken („Mu-E Do Bo-Tong-Jie“) der Kampfkünste verfasst, aber es enthielt nichts über den inneren Weg, Do, der den Geist der Künste ausmacht.
Dieser Geist wurde wiederbelebt als sich im 19. Jahrhundert westliche Einflüsse in Korea ausbreiteten und eine Gegenbewegung gegründet wurde, die eine Philosophie der „östlichen Weisheit“ vertrat. Jene Gegenbewegung, die Donghak, mischte sich politisch ein und demonstrierte mit Unterstützung aus dem gesamten Volk gegen soziale Missstände. In die blutigen Niederschlagungen der Donghak-Demonstrationen mischte sich zunächst China und dann auch Japan ein, die beide um ihren Einfluss in Korea besorgt waren. Aus diesen Unruhen entstand der chinesisch-japanische Krieg, der darin mündete, das China sich zurückziehen musste, und dass Japan Korea 1910 annektierte. In den 36 Jahren Besatzungszeit wurde versucht, die koreanische Kultur und Geschichte auszumerzen.
Aber mit der Befreiung im Jahr 1945 kam die Hanol- bzw- Shinson-Lehre zu neuer Blüte, und die Kampfkünste wurden wiederentdeckt und unter neuen Namen, von den die bekanntesten Taekwondo und Hapkido sind, zusammengefasst und weiterentwickelt.


Shinson Hapkido: Sonsanim Ko.Myong

Der Shinson (Zen)- und Hapkido-Meister (Sonsanim) Ko.Myong aus Korea ist der Gründer der Lebens- und Bewegungskunst Shinson Hapkido und Autor des Buches „Bewegung für das Leben”.
Bereits in frühester Kindheit kam Sonsanim Ko.Myong in Berührung mit den traditionellen Bewegungskünsten Koreas, besonders mit Hapkido und Taekwondo. 1963, im Alter von zehn Jahren, begann er seine Ausbildung auf dem Gebiet des Son (Zen), der Heilkunst und der inneren und äußeren Selbstverteidigung. Er studierte die überlieferten asiatischen Lebens¬weisheiten und alten Künsten (Naturheilkun¬de, Bewegungskunst, Kalligraphie, Dichtung etc.) in verschiedenen bekannten Klöstern und Schulen am Rande von Seoul, und bei namhaften Meistern.
Sonsanim Ko.Myong errang die Meistertitel in Taekwondo (5. Dan) und Hapkido (6. Dan und Nationalmeister) und wurde Anfang 1978 eingeladen, die hohe Schule der Selbstverteidigungskunst auch in Europa zu unterrichten.
In Darmstadt gründete er 1983 ein Zentrum für Bewegungskunst, Naturheilkunde, Friedensarbeit und Lebensweisheit, das im Jahre 1993 den offiziellen Namen Shinson Hapkido Association erhielt. Er bildete weitere Lehrer/innen aus, die ihrerseits Schulen gründeten, so dass Shinson Hapkido inzwischen in vielen Städten und Ländern Europas angeboten wird.
Mit Shinson Hapkido möchte Sonsanim Ko.Myong die Menschen bewegen, sich wieder auf ihren natürlichen Weg zu machen: auf den Weg des Friedens, des Gleichgewichts und der Liebe zu Mensch und Natur. Dieser Weg ist für alle offen.
Shinson Hapkido ist ein aus der traditionellen Selbstverteidigungskunst und Naturheilkunde Koreas aufgebautes Gesundheitstraining für jung und alt. Das Training beinhaltet nicht nur Selbstverteidigung, sondern auch Gymnastik (wahlweise leichte Gesundheitsgymnastik oder Konditionstraining), Energie- und Atemübungen, Entspannungstraining, Meditation in Ruhe und Bewegung und vieles mehr.

Shinson Hapkido ist ein Weg (Do) zur Harmonie (Hap) der körperlichen und geistigen Kräfte (Ki) auf der Basis der Achtung vor Mensch und Natur (Shinson). Shinson Hapkido bedeutet, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu trainieren und zu leben. Das Ziel des Trainings ist Gesundheit, Menschlichkeit, (Selbst-)Vertrauen und Lebensfreude.

Shinson Hapkido: internationales Sommerlager mit 700 Teilnehmern in Elsenborn

Elsenborn.

Ostbelgien ist in diesen Tagen Drehscheibe mehrerer internationaler Sommerlager. Während am vergangenen Freitag Abend das siebte (und in St. Vith vorerst letzte) Sommerlager der Fokolar-Bewegung „Mariapolis“ mit einer beeindruckenden Feier im Tagungszelt an der Bischöflichen Schule zu Ende ging, erlebten etwa 700 Teilnehmer des 22. internationalen Shinso-Hapkido Sommerlagers eine ergreifende Eröffnungsfeier in der großen Herzebösch-Halle, die aus allen Nähten platzte.

Neben dem Kulturzentrum Herzebösch wurde zudem eine riesige Zeltstadt errichtet, die die Familien des Sommerlagers aus vielen Ländern Europas aufnehmen kann. Die vier ostbelgischen Schulen des Shinson-Hapkido aus Eupen, St. Vith, Amel und Elsenborn um Präsident Martin Backes aus Elsenborn haben keine Mühen gescheut, den Gästen aus Schweden, Dännemark, Deutschland, Holland, Österreich und Schweiz und natürlich aus Ostbelgien ideale Bedingungen zu diesem sportlich-philosophisch und kulturellen Großereignis zu bieten. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der vier ostbelgischen Gruppen setzen sich mit vollen Kräften ein und präsentieren Ostbelgien nach 1985, 1989 und 1997 bereits zum vierten Mal als gastfreundlich-offenes Land.
Das Sommerlager in Elsenborn bietet eine enge Verbindung von Hapkido -Trainingseinheiten, Urlaub und lebensnaher Kulturaustausch.
Shinson Hapkido ist ein Gesundheitstraining für Körper und Geist, das von Großmeister Ko. Myong aus den traditionellen koreanischen Kampfkünsten in Verbindung mit asiatischer Heilkunst und Lebensweisheit entwickelt wurde. So gibt es in Elsenborn ein großes Programmangebot mit modernen Selbstverteidigungstechniken, klassischer Kampfkunst, Aufbau- und Konditionstraining, ganzheitlicher Gymnastik, effektiven Energie- und Atemübungen sowie Meditation in Ruhe und Bewegung. Dabei steht nicht die sportliche Leistung, sondern der Mensch als Ganzes im Vordergrund.. Shinson Hapkido lehrt, wie man sich selbst und andere auf natürliche Weise gesund erhalten, schützen und heilen kann, indem man Körper, Lebenskraft, Herz und Geist ins Gleichgewicht bringt.
In einer sympathischen, weil zutiefst menschlich-herzlichen Eröffnungsfeier wurden wie in einer globalen Familie die verschiedenen Hapkido-Schulen aus sämtlichen europäischen Ländern vorgestellt. Präsident Martin Backes hieß als ostbelgischer Präsident alle Teilnehmer herzlich willkommen und wünschte echte Tage der Begegnung in Achtung und Respekt voreinander. Auch der Gründer des Shinson Hapkido, Sonsaninm Ko Myong, fühlte sich sichtlich wohl inmitten seiner Freunde aus ganz Europa und wünschte allen Teilnehmern echte Verbundenheit in diesen Tagen.
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