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Impossible? | by h.koppdelaney
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Impossible?

Imagine the Impossible

 

Maybe Antigravity is the Secret

 

HKD

 

Das Unmögliche kommt…

 

Eine lesende junge Frau teilte mit mir das Abteil als der Zug im Bahnhof langsam zum Stehen kam. Ein junger Mann stieg hinzu und bat in unserem Abteil um einen Platz. Die beiden sahen sich kurz an, nickten und stellten sich gegenseitig vor: Cassio und Franca kamen daraufhin ins Gespräch. Sie arbeitete an einer Hausarbeit für ihr Studium.

Cassio fragte Details ab und gab sich selbst als Informatiker zu erkennen.

„Bin im letzten Semester“, sagte er.

„Hatte gerade Zwischenprüfung“, sagte sie.

„Was liest du denn da gerade?“

Franca nannte Autor und Titel und beschrieb den futuristischen Roman mit Worten, die auch mich neugierig machten, und Cassio stellte alle relevanten Fragen, die auch ich gestellt hätte.

„Habe ich noch nie etwas von gehört. Zukunftshistoriker.“ Cassio drückte mehrfach sein Erstaunen aus und sagte: „Der Held kann sich in die Zukunft versetzen und beschreibt daraus die Gegenwart als Vergangenheit. Hört sich verrückt an.“

„Macht aber total viel Sinn“, antwortete Franca. „Wir betrachten die Gegenwart abgeleitet aus der Vergangenheit heraus. Das ist der Blick des Historikers und ist eine ganz legitime Sicht. Es gibt aber auch eine komplementäre Sichtweise, nämlich aus der Zukunft heraus auf die Gegenwart. Das ist die spekulative Sicht. Sie spielt mit Möglichkeiten. Es geht nicht darum, dass eine Möglichkeit wahr wird, vielmehr um die Übung des Geistes, neue Möglichkeiten für möglich zu halten.“

Der Zug fuhr schon in den nächsten Bahnhof ein und die beiden waren immer noch beim gleichen Thema.

Eine attraktive Frau mittleren Alters gesellte sich zu uns ins Abteil und lauschte den beiden Studenten, ohne die Vorgeschichte zu kennen.

„Ich habe verstanden“, sagte Cassio. „Ich muss meinen Geist öffnen für das Unmögliche. Da fliegt also ein Mann mit zwei roten Luftballons durch die Luft. Und das muss ich für möglich halten?“

„Solange du es nicht für möglich halten kannst, fehlt dir ausreichend Vorstellungskraft“, sagte Franca. „Um Wunder zu wirken, brauchst du Phantasie. Ohne Phantasie bleibt dein Geist an den alten und abgeleiteten Vorstellungen kleben, und dir fällt nie etwas Neues ein, weil du es nicht für möglich hältst.“

„Dann zähle ich also zu den Kleingeistern“, sagte Cassio.

„Ganz klar, du bist ein Kleingeist“, kam zurück. „Du könntest zum Mond fliegen und kannst es dir nicht vorstellen. Das ist schade. Ich kann mir das vorstellen.“

„Würdest du mich mitnehmen?“ fragte Cassio.

Nun breitete Franca in mehreren Sätzen aus, warum sie ihn nicht mitnehmen könne und Cassio wurde sichtlich traurig.

„Du musst nicht traurig sein“, sagte Franca. „Du musst lernen, dir vorstellen zu können, dass ich dich mitnehme.“

„Das habe ich gerade heimlich getan, aber es hat nicht funktioniert, wie man sieht. Warum willst du dir denn nicht vorstellen, mich mitzunehmen? Ich würde mitkommen.“

„Ich habe einen ganz festen Freund…“

„Schon wieder daneben“, sagte Cassio. „Ich habe mir vorgestellt, du bist Single.“

Die etwa vierzig Jahre alte Frau mischte sich nun ein und wendete sich an Cassio: „Ich stelle mir gerade vor, wir beide gehen in den Speisewagen und nehmen einen Drink zu uns. Geht das ok?“

Cassio musterte die Frau – die aussah wie eine Chefsekretärin – blitzschnell und stimmte zu.

„Betrachte die Gegenwart aus der Zukunft“, schickte Franca den beiden mit auf den Weg.

„Mir reicht die Gegenwart vollkommen“, sagte Cassio.

Als sich die Abteiltüre wieder schloss sagte Franca wie zu sich selbst: „Geht klar. Warum den Geist öffnen? Das Unmögliche kommt auch für Kleingeister.“

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on March 14, 2012