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Zen Walk | by h.koppdelaney
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Zen Walk

Behind all Doubt.

 

HKD

 

Das Ende des Zweifels

 

Aus dem Gespräch heraus, das eine Journalistin mit einem asiatischen Mönch führte, wurde deutlich, dass der Sechzigjährige das Interview während der Zugfahrt vorgeschlagen hatte. Als Grund gab er an, auf diese Weise den Aspekt der Lebensreise auf der physischen Ebene besser verdeutlichen zu können.

„Und wenn dieser Aspekt klar ist“, sagte er. „Dann kann man die psychische Entwicklung als Seelenreise verstehen, die ebenso real ist, wie eine physische.“

Die Journalistin fragte:

„Kann man das mit der Quest vergleichen, der Suche nach dem heiligen Gral, der in der westlichen Mythologie um König Arthur eine so große Rolle spielt?“

„In der Tat“, antwortete der ehrwürdige Mönch. „Meinem Verständnis nach reifen die Ritter auf der Suche nach dem großen Schatz in ihrem Bewusstsein heran und einer von ihnen, der Ritter Parsifal wird schließlich vom Licht des Grals erfüllt. Seine Reise, seine Suche nach Erlösung gleicht der buddhistischen Suche nach Erlösung.

Es geht um die Erlösung aus den niederen Daseinsbereichen. Wir durchwandern die Welt der niederen Instinkte. Wir werden mit unserem Schatten konfrontiert, den ungeliebten Eigenschaften in uns. Wir entdecken unsere Eitelkeit, wenn wir uns zu einer Feier herausputzen. Wir erkennen unsere Gier, wenn wir zum dritten Mal ans Buffet gehen oder wieder einmal einen Busen anstarren. Und wir erkennen unseren Zorn, wenn uns jemand beleidigt. Dieses sind nur einige der Emotionen, die ein Pilger erfährt und die er integrieren muss. Auf dem Weg der Läuterung lassen wir die niederen Instinkte im Tal zurück.“

„Ist man sie dann für immer los?“

„Keineswegs. Nur durch langwierige Übungen wird man sich im Abstand und Überblick, das heißt in der Wachheit halten können. Doch im weiteren Verlauf der Reise werden immer mehr Schleier gelüftet und man gelangt zu der Erkenntnis, dass es ein bewusstes Teilhaben an den Illusionen gibt. Das Leben geht weiter, aber man lebt auf einem höheren Stockwerk mit mehr Überblick.“

„Wie gewinnt man den Überblick?“

„Indem man Stufe um Stufe schreitet“, antwortete der Mönch. „Schritt für Schritt. Indem man im Leben voranschreitet entsteht der Überblick. Das habe ich selbst erfahren.“

„Das Leben als Reise zu sehen, habe ich nun verstanden“, sagte die Journalistin. „Ich sehe auch, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Emotionen kämpfen müssen. Aber wie kann ich meinen Zweifel besiegen? Oder meine Gier nach Erotik oder Nähe?“

„Es geht nicht um Sieg oder Niederlage. Vielmehr um den gleichmütigen Umgang mit den erscheinenden Triebkräften. Es geht nicht darum: Wie verdränge ich Zorn? Es geht darum: Wie gehe ich damit um? Durch wachsende Bewusstheit erkenne ich, dass mir bestimmte Triebkräfte immer wieder schaden, ob finanziell, geistig oder körperlich. Schließlich dringt so viel Licht in die emotionalen Kreisläufe, dass man beginnt, sich von gewissen Dingen fern zu halten.“

„Ich möchte noch einmal auf den Zweifel zurückkommen. Wie kann ich den lösen?“

„Indem Sie die jeweiligen Aspekte in ihrem Gegensatz akzeptieren und nicht länger versuchen, eine einheitliche Lösung zu finden. Sowohl als auch. Perfekt ist, was das Unperfekte mit einschließt.“

 

HKD

  

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on February 20, 2012