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+ Alone - on the way to a better life +

+ Alone - on the way to a better life + by florian.b.
This boy left his homecountry, Sierra Leone in West Africa, and has lived in Germany since 4 months - alone, without any relatives or his parents. He misses the African way of life ("In Germany everything is colder"), but he can't go back. In Sierra Leone he had been prosecuted after a change of government: "I was considered a rebel, because my friends and me had voted for the former president who failed the election." After that, some of his friends disappeared suddenly. The boy fleed to his uncle who helped him to get on a ship to Europe.

At the age of 14, the boy had already to leave his hometown, as his father, a Imam, would have killed him. The boy had broken the rules of the Scharia, visiting a christian service with his christian friends. "The Scharia isn't good", the 16-year old, says, "It isn't human at all."

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German:

Allein in ein besseres Leben
Unbegleitete Flüchtlinge



Mohammed Marrah ist 16 Jahre alt, kommt aus Sierra Leone in Westafrika und musste schon schreckliche Dinge durchstehen. Nach einem Regierungswechsel wurde er als Rebell verfolgt, sein Vater wollte ihn töten. Um sein Leben zu retten, floh der Junge nach Deutschland – allein. Die Hoffnung in der Tasche. Jugendredakteur Florian sprach mit Mohammed über seine Flucht, Deutschland und Demokratie in Afrika.


Fremdes Land, fremde Sprache, fremde Kultur

Weißes, langes T-Shirt mit gelb-grünem Aufdruck, Jeanshose, kurzgeschorene, schwarze Haare. Dazu ein ernster Gesichtsausdruck. Mohammed Marrah sieht aus wie die Rapper auf MTV, deren Videos er nach der Schule im Fernsehen sieht. Doch im Gegensatz zu den glitzernden Stars musste sich der 16-Jährige nicht in Berlin, sondern in Sierra Leone behaupten. Er kennt das harte Leben in einem der ärmsten Staaten der Welt. Dort wütete bis 2002 ein Bürgerkrieg zwischen den kriegerischen Rebellen, die mit Unterstützung liberianischer Warlords den Herrscher der Einheitspartei All People's Congress (APC) stürzten. Dieser Krieg dauerte 10 Jahre. Kindersoldaten, ein verwüstetes Land und mehrere tausend Tote waren die Folge. Schließlich sorgten UN-Truppen 2002 für Entwaffnung und Wiederaufbau. Inzwischen herrscht in Sierra Leone eine fragile Demokratie. Doch Mohammeds Geschichte erzählt nicht von einer friedlichen, offenen Gesellschaft, sondern von Gewalt und Intoleranz.

Heute sitzt er im Büro des Bundesfachverbands für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge(BUMF) in München, wo er seit vier Monaten mit seinem Vormund Albert Riedelsheimer seine schreckliche Geschichte aufarbeitet. Er ist einer von jährlich 1.000 jungen Flüchtlingen, die allein, ohne Familie oder Verwandte, in einem Nichts ankommen. In einem fremden Land mit einer fremden Sprache und einer fremden Kultur. Diesen orientierungslosen Jugendlichen hilft BUMF. Seine ersten drei Monate verbrachte Mohammed in einer staatlichen Aufnahme-Einrichtung, wo bis zu acht Personen in einem Zimmer lebten. Sein Vormund empört sich: “Diese Einrichtungen sind menschenunwürdig.“

Keine Rückkehr nach Afrika

Riedelsheimer kümmerte sich darum, dass Mohammed in eine bessere Wohneinrichtung kam. Jetzt, nach vier Monaten, hat der Flüchtling endlich einen geregelten Tagesablauf. Er besucht das Schulprojekt “Schlau!“, lernt Deutsch und macht bald seinen Hauptschulabschluss. “Ich spreche schon besser Deutsch bei meiner Ankunft“, freut er sich. Mohammed ist motiviert. Dienstagnachmittags spielt er im Verein Fußball. “Wie in Afrika“, sagt er und ein sehnsüchtiges Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. Früher kickte er in jeder freien Minute mit den Freunden aus seinem Dorf. In Deutschland ärgert ihn die Kälte: “In Deutschland sind die Menschen immer bei sich zu Hause. Das Wetter ist hier kühler, die Menschen sind es auch.“ Sehnsucht nach seiner Heimat hat er also immer wieder. Und doch: Zurück kann er nicht.

Mohammeds Vater, ein glaubensfester Imam, möchte ihn umbringen. Denn der 16-Jährige hat gegen das Recht der Scharia verstoßen, die für seinen Vater unabänderlich und absolut gilt. Nachdem Mohammed sechs Jahre lang auf einer Koranschule Suren auswendig gelernt hatte, ging er auf eine katholische High School. Wie alle seine Freunde. Sein Vater wusste zuerst nichts davon. Doch Mohammed war klar: Die Scharia verurteilt Muslime, die konvertieren, zum Tod. Schon früher hatte der Junge gegen das islamische Strafrecht verstoßen. Er ging mit seinen Freunden sonntags in christliche Gottesdienste. Mohammed findet: “Die Scharia sollte abgeschafft werden, weil sie unmenschlich ist.“ Mit dieser Überzeugeung floh er im Alter von 14 Jahren zu seinem Onkel.

“Du kannst nicht wählen, wen du möchtest“

“Jeder sollte frei wählen können, was er machen möchte“, sagt er. Das ist schließlich auch eines der Grundrechte einer Denmokratie “In Afrika herrscht Demokratie, aber keine Meinungsfreiheit.“ Mohammed musste diesen Widerspruch am eigenen Leib erfahren: Nach dem Ende des Bürgerkriegs fanden 2002 die ersten Präsidentschaftswahlen in Sierra Leone statt. Die Demokratie ging ihren Weg: Ahmad Tejan Kabbah, der Kandidat der Sierra Leone People's Party (SLLC), gewann. Im Wahlkampf 2007 kam Kabbah, ein sehr gläubiger Christ aus einer muslimischen Familie, zu Mohammeds High School. Schon seiner religiösen Wandlung wegen war er Mohammed wahrscheinlich sympathisch. Noch dazu begeisterte ihn die Rede des Politikers, so dass der Junge mit ein paar Freunden eine politisch ambitonierte Gruppe gründete, um sich für Kabbah einzusetzen. Ihnen gefiel sein Kampf für die Opfer des Bürgerkrieges, und ihnen gefiel, dass er die Nation nach außen gut darstellen konnte und Investoren in das Land holte.

Doch dann entschied sich die Wahl anders, als Mohammed und seine Freunde erwartet hatten: der APC-Präsidentschaftskandidat Ernest Bai Koroma gewann mit 54,6 Prozent der Stimmen die Wahl 2007. Er wollte die Republik wie ein Wirtschaftsunternehmen führen und die Korruption beseitigen. Ob dazu auch das Verschwinden von Gegnern zählt? Denn von einem Tag auf den anderen verschwanden die Schulkameraden und Freunde Mohammeds, die für den SLPP-Kandidaten Kabbah gestimmt hatten. Und auch ein Fahndungsplakat Mohammeds hing in der Polizeistation. Er selbst wusste nun, dass er nicht wählen konnte, wen er wollte. Um sein Leben zu retten, floh der Junge zu seinem Onkel. Eine Woche versteckte er sich in dessen Haus. Dann fuhren sie in einer Nacht und Nebel-Aktion zum nahen Hafen in Lunsar.

Auf einem guten Weg

Seine Augen wirken erwachsen, als er erzählt: „“Am Hafen hatten wir direkt neben einer Polizeistation geparkt, deswegen musste ich Brille und Mütze tragen.“ Diese Minuten wird Mohammed wohl nie vergessen. Sein Onkel diskutierte mit den Mittelsmännern, die die Überreise nach Europa organisierten. Sie schleusten den Flüchtling auf das Schiff am Hafen, holten ihn in Deutschland schließlich mit einem Transporter ab und brachten ihn zu den Ankunftsunterkünften für Flüchtlinge. Hier begann Mohammeds Reise ins Ungewisse erst richtig. Denn in einem fremden Land auf eigenen Beinen zu stehen, ist sehr schwierig. Riedelsheimer macht seinem Schützling Mut, er ist sich sicher: “Mohammed ist auf einem guten Weg.“

www.b-umf.de
Der Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. wird von 50 Organisationen und 100 Mitgliedern unterstützt. Der Verband will die Situation der jugendlichen Flüchtlinge in Deutschlandverbessern, ein Netzwerk von Fachbetreuern aufbauen und die Politiker für die Problematik sensibilisieren.
 

Comments

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Britta's world of photos  Pro User  says:

Beeindruckendes Portrait und ein berührendes Schicksal.
Danke, daß Du das mit uns teilst... und da soll mal wieder jemand von "Wirtschaftsflüchtlingen" reden.
Und wenn schon: Wie viele Europäer sind Anfang des letzten Jahrhunderts in die USA ausgewandert, weil sie sich dort ein besseres Leben erhofften.
Posted 10 months ago. ( permalink )

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*~Yogini~Astra~*  Pro User  says:

Impressive and very emotional portrait! Sad to read the story behind this picture, I hope his future will be more bright.
Posted 10 months ago. ( permalink )

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silviaON  Pro User  says:

ein schönes portrait und bewegende geschichte ! alles gute für ihn

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Seen on your photo stream. (?)
Posted 10 months ago. ( permalink )

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Canuck with a camera  Pro User  says:

That is a very sad story. I wish him all the best with his future.
Posted 9 months ago. ( permalink )

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bbcworldservice  Pro User  says:

thanks for adding your photo to the BBC Your Story group, I am actually working with some children on a citizen journalism project in Sierra Leone at the moment and I'll put some of the questions this boy's testimony raises.
Nina (BBC) www.bbcyourstory.com
Posted 7 months ago. ( permalink )

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..DSI.. says:

this story is sad,but he is so strong,he can do everythings he want,because he would live,he would go on..
Posted 2 months ago. ( permalink )

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Vol-au-Vent  Pro User  says:

Florian, ich bin sehr berührt von deiner Art, dich um Mitmenschen zu kümmern. Ich lebe, nach langem Aufenthalt in England und einer zweieinhalbjährigen Rückkehr in die Schweiz jetzt in Frankreich und ich habe überall gesehen und miterlebt, was mit Flüchtlingen passiert. Speziell hier in der Pariser Grossregion hat es extrem viele Afrikaner und JEDE/R hat seine Geschichte....
Ich finde es schön und wichtig, dass es auch Leute wie dich gibt, die nicht nur zusehen. Lass bitte nie zu, dass du das Mitleiden und -helfen verlernst - Leute wie du sind enorm wichtig in unserer Zeit!
DANKE
Kiki
Posted 2 weeks ago. ( permalink )

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NatiTheMiau says:

Wie hier alle über ihn reden..
er wird Mohamed geschrieben mit einem m...
seine Geschichte ist so lange hier gibt es nur Oberflächliche Informationen...ich kenn ihn sehr sehr gut... und er hat mein Leben bereichert... der verrücktest aber auch liebenswerteste Mensch den ich je gekannt hab. Was er für Schmerzen hatte...kann man nicht zum Ausdruck bringen...
Er ist hier nur eine Reportage..aber eig. ein Teil in meinem Leben.. vllt. auch der wichtigste Teil..
Ich wollte eig. nur sagen... diese Menschen.. diese ,,Ausländer'' jeder hat eine eigene Geschichte .. manche sind so schrecklich wie seine.. manche nicht ganz so schlimm..aber jede ist es wert berichtet zu werden.
Posted 8 days ago. ( permalink )

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