tonnenschwerer kondor aus fels
Cuzco, Peru
36) Als die Spanier wissen wollten, woher die Inkas denn eigentlich kaemen, bekamen sie folgende – abgekuerzte – Geschichte zu hoeren: Am Anfang herrschte Dunkelheit auf Erden und Wiracocha, der Erschaffer sandte zudem auch noch eine grosse Flut. Doch als er einmal auf einer Insel im Titicacasee stand, bekam er Mitleid mit der Erde und so befahl er der Sonne, dem Mond und den Sternen, die Erde zu bevoelkern. Die Sonne, Herrscher des Universums, sandte seinen Sohn, Manco Capac zur Erde herab und der Mond gab ihm ihre Tochter Mama Occlo zur Braut. Die beiden entstiegen dem Titicacasee (wo sie die heute zu Bolivien gehoerenden Isla de Sol und Isla de la Luna hinterliessen) und begannen ihre Odyssee. Ihre Aufgabe war keine geringere, als das heilige Land zu finden. Dazu diente ihnen ein goldener Stab, den sie immer wieder in den Boden stossen sollten, bis dieser endlich von der Erde akzeptiert wuerde. An dieser Stelle, so lautete ihre Order, sollten sie ihr Koenigreich errichten. Um 1200 unserer Zeitrechnung wurde ihr Stab endlich von der Erde angenommen. Er fuhr in den Boden hinein und ein Regenbogen fuhr daraufhin gen Himmel. Manco Capac befahl den dort ansaessigen Leuten, ihre Nackteit aufzugeben, sich ordentlich zu kleiden und sich ihm anzuschliessen, um die Stadt Cuzco zu erbauen. Manco Capac, der Sohn der Sonne, wurde der erste Inka (nur der Herrscher des Stammes wurde Inka genannt, daher werde ich seine Untertanen von nun an nicht mehr Inkas, sondern nur noch Quechuas nennen) und seine Schwester Mama Occlo dementsprechend die erste Coya, Koenigin des Volkes.
1438 waren die Quechuas noch ein relativ kleiner und unbedeutender Stamm mit gerade einmal 40000 Angehoerigen, als sie von ihren Erzfeinden, den Chancas, ueberfallen wurden. Der damalige Inka Wiracocha floh und ueberliess seinem Sohn das Regiment ueber das verloren geglaubte Cuzco. Doch der war aus anderem Holz geschnitzt als sein Vater. Er gewann die Kontrolle ueber das Schlachtfeld zurueck und schlug schliesslich die Angreifer in die Flucht. Er jagte seinen Vater aus dem Amt und setzte sich selbst die Krone des Inkas aufs Haupt und nannte sich fortan Pachacuti - Reformer der Welt. Und die Welt, wie sie die Bewohner dieser Gegend bis dahin kannten, sollte sich durch sein Wirken auch tatsaechlich grundlegend aendern. Er gestaltete Cuzco komplett neu und baute die Stadt in die Form eines Pumas um, der naechtlichen Verkoerperung des Sonne. Er wiederbelebte den bereits fast in der Versenkung verschwundenen Sonnenkult und erklaerte sich selbst zum Sohn der Sonne. Dann setzte er dazu an, die Welt zu erobern. Er unterwarf einen Grossteil des heutigen Perus und sein Sohn Tupac Inka machte sich ab 1465 daran, das Gebiet der Quechuas bis ins heutige Ecuador auszudehnen, sowie die letzten Widersacher im heutigen Peru, die Chimus, zu unterwerfen. Er besetzte dann das Hochland Boliviens und drang bis ins heutige Chile, 3000 km suedlich von Cuzco, vor. 1493, als die katholische Kirche die Welt zwischen Portugal und Spanien aufteilte, starb Tupac Inka und sein Sohn Huayna Capac folgte ihm auf den Thron. Huayna Capac sollte das groesste Imperium der damaligen Welt beherrschen: von Suedkolumbien bis nach Chile waren es 5500 km, die die Quechuas, obwohl sie weder Pferd noch Wagen kannten, mit 30000 km Strassen pflasterten. 20 Millionen Menschen hatten dem Inka zu huldigen. Dann kamen die Pocken, der Buergerkrieg zwischen Atahualpa und Huascar und die Spanier.
Und die waren nicht schlecht beeindruckt von der Stadt. Pizarro schrieb an seinen Koenig Karl in Spanien „Diese Stadt ist das Groesste und Feinste, das wir in diesem Land, oder in ganz Westindien, bisher gesehen haben.... Wir koennen Ihrer Majestaet versichern, dass sie so schoen ist und solch feine Gebaeude hat, dass sie selbst in Spanien noch bemerkenswert waere.“ Das hielt die Spanier jedoch nicht davon ab, die feinen Gebaeude zu schleifen und die Steine zum Bau ihrer eigenen Haeuser und Kirchen zu verwenden. Und als Eva und ich schliesslich per Bus von Puno mit einiger Verspaetung in Cuzco ankamen, war von der Groesse der Inkagebaeude auch leider nicht mehr viel zu sehen. Dafuer ist Cuzco jedoch zu einer der schoensten Kolonialstaedte in Peru mutiert. Die Kathedrale am Plaza de Armas ist auf den Fundamenten des Palastes von Wiracocha, dem Vater des legendaeren Pachacuti, erbaut (jeder Inka baute sich seinen eigenen Palast), genau da, wo sich der Bauch des von Pachacuti kreierten Pumas befindet. Die Legende besagt, dass ein Inkaprinz in einem der Tuerme der Kathedrale eingemauert wurde. Als 1950 ein starkes Erdbeben einen grossen Teil der Stadt plaettete, versammelten sich Tausende von Einwohnern mit indigenen Wurzeln auf dem Plaza de Armas, um zu schauen, ob der Prinz nun befreit werden wuerde. Er wurde es nicht. Der Turm broeckelte zwar, hielt dem Beben aber stand. Das beeindruckendste Zeugnis aus Inkatagen in Cuzco ist der Saqsayhuaman, gerade mal zwei Kilometer vom Zentrum entfernt. Die zickzackfoermigen Mauern dieser Wehranlage bilden die Zaehne des Pumas. 20000 Arbeiter schufteten 100 Jahre lang an diesem monumentalen Bauwerk. Sie wuchteten die bis zu 300 Tonnen schweren Steine derart exakt aufeinander, dass selbst ohne Zuhilfenahme von Moertel kein Blatt Papier mehr zwischen die Brocken passt. „Da pass ich ja dreimal rein“ rief Eva aus, als sie vor einem besonders grossen Exemplar posierte. Wahrscheinlich haette sie da sogar dreissigmal reingepasst. Die Spanier konnten es kaum glauben, dass dies das Werk von Menschen sein sollte. 1536, bei der Entscheidungsschlacht um Cuzco trafen sie hier auf 5000 imperiale Truppen des Inkas Manco Capac Yupanqui, dem Bruder Atahualpas, der zunaechst von den Spaniern als Marionette eingesetzt worden war, sich aber dann seiner Wurzeln besann und gegen die Eindringlinge einen Guerillakrieg entfachte. Juan Pizarro, der Sohn von Francisco, liess hier so wie viele andere Eroberer zwar sein Leben, doch am Ende unterlagen die Quechuas. Die Spanier feierten ihren Sieg wie einen Sieg ueber Daemonen. Sie vergeudeten keine Zeit und fingen umgehend mit dem Abriss der Anlage an. Und obwohl Saqsayhuaman ueber Jahrhunderte als Steinbruch fuer die Gebaeude der Spanier diente, sind die verbliebenen 20% noch dermassen eindrucksvoll, dass sie als eine der wichtigsten archaeologischen Staetten Suedamerikas gelten. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass der Ort vor Touristen nur so wimmelte. Das ist schlecht fuers Fotografieren, aber gut fuer den Informationsfluss. Eva und ich gesellten uns immer mal wieder zu Reisegruppen und hoerten ihren Fuehrern bei deren mehr oder weniger interessanten Ausfuehrungen zu.
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no pintamos nada added this photo to her favorites. (45 months ago)