KAP, PAP and archaeology
My first KAP-discovery 2004: the roman "villa rustica" Mauernhof, near Ingendorf/Bettingen. Area 130 x 160 m, 1. - 4. century

Alternative Luftbild-Technik und -Archäologie:
Alternativ bedeutet hier im Gegensatz zur konventionellen Methode, dass der Pilot und der Fotograf am Boden bleiben und nur die Kamera mit einem Liftersystem angehoben wird. Folgende Systeme sind möglich: Fessel-Drachen (KAP), Teleskopstab oder -mast (PAP), Ballon, Ballondrachen (Kite-ballon, Helikite), Quadro- bis Okto-Kopter, Modellflugzeug und Modellzeppelin (Blimp). Gegenüber der konventionellen Technik haben die unbemannten Systeme enorme Vorteile:

1. hohe Bodenauflösung im cm-Bereich wegen der geringen Flughöhe und meist geringen Kamerabewegung.
2. Aufnahmezeitpunkt und Maßstab sind frei wählbar, das bedeutet zeitliche und räumliche Flexibilität, bei Bedarf können Aufnahmen in beliebiger Anzahl, senkrecht oder schräg aus unterschiedlicher Höhe, sofort und ereignisbezogen erstellt werden.
3. geringe Kosten.
4. leicht zu erlernen und zu bedienen.
Von oben werden am Boden Strukturen sichtbar, wie man sie unten stehend so nicht zuordnen und in ihrer Geometrie nicht erfassen kann. Das unterirdische Bodendenkmal hat eine andere Wärmespeicherung als die Umgebung, Nährstoffgehalt und Feuchtigkeit über dem Befund unterscheiden sich ebenfalls und die Körnung des Oberflächenmaterials ist z.B. über unterirdischem Mauerwerk dtl. gröber. Ein geringes Bodenrelief oder der geringe Minderwuchs der Feldfrucht bewirken bei sehr flachem Lichteinfall Schatten- und Aufhellungslinen. Das alles ist erst in der Senkrecht- oder Schrägaufnahme erkennbar.
Man kann nach unbekannten Objekten suchen, aber auch das Wissen über schon bekannte Fundstellen wesentlich ergänzen. Ein weiteres Betätigungfeld ist die Dokumentation vor und während einer archäologischen Grabung. Das bestechende an den von mir bevorzugten Methoden PAP (Pole Aerial Photography=Stab Höhen Fotografie) und KAP (Kite-Aerial-Photography = Drachen-Luft-Fotografie) ist, wie oben schon erwähnt, ihre sofortige Verfügbarkeit zu jeder Jahres- und Tageszeit! PAP und KAP sind nicht anwendbar oder sinnvoll bei Starkwind, Regen, Schneefall oder dichtem Nebel. Bei Windstille ist PAP optimal anzuwenden, auch KAP ist dann möglich, wenn der Drachen wie ein Segelflugzeug am Seil gezogen (mit einem Akkuschrauber an der Haspel), mit dosierter Geschwindigkeit das Objekt überfliegt und die Kameras auf Intervall gestellt, alle fünf Sekunden ein Bild aufnehmen. Letzteres ist nur möglich, wenn die Kameras im Drachen selbst montiert sind (KCF=Kite Cross Fitting s.Zeichnungen im Album). Bei der Picavet-Einhängung eines Rigs in die Leine wird das kaum funktionieren!? Zur Auslösung der Kamera gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Wenn die Kamera über Intervallfunktion verfügt, wähle ich für den Stab 10 Sek und für den Drachen 10, 15,oder 20 Sek Intervall zwischen den einzelnen Aufnahmen. Am Handgelenks-Monitor verdunkelt sich bei der Aufnahme der Bildschirm für etwa eine Sekunde, was als Kontrolle dient.
2.Habe ich keine Intervallfunktion, so muss ich über Funk einen Servo steuern, der mechanisch den Auslöser betätigt. Dies erfordert etwas Bastelei.

Ich betreibe dies als Hobby und habe mich als Autodidakt überwiegend in die lokale Archäologie und speziell in die Luftbildarchäologie eingearbeitet. Weil diese Methode von archäologischer Seite fast nicht mehr ausgeübt wird, da die konventionelle Technik unter Verwendung von Großfluggeräten nicht mehr finanziert wird, kann ich als Laie wertvolle Ergebnisse zu dieser Wissenschaft beitragen.
Christian Credner, Lambertsberg 2008. Kommentare und/oder Hinweise sind erwünscht!
155 photos · 2,061 views
1