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Guilt | by h.koppdelaney
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Guilt

Alone with my Guilt

 

HKD

 

Selbstannahme

 

Wie kann ich mir verzeihen für das, was ich tat?

 

„Ich fühle mich schuldig“, sagte Alan nachdem er beschrieben hatte, wie es zu dem Unglück gekommen war. „Ich werde wegen Fahrlässigkeit zur Rechenschaft gezogen und natürlich werde ich meine Versetzung und die Strafe akzeptieren.“

Die beiden Freunde schwiegen für eine Weile und schauten beide aus dem Fenster des Zuges in eine Landschaft, die dämmrig wurde und ihre herbstlichen Farben verlor.

Alan war Anfang vierzig, sein Freund Ted ein paar Jahre älter. Sie waren seit der Studienzeit befreundet, doch hatte Alan sein Studium vorzeitig abgebrochen, weil seine Freundin und jetzige Frau schwanger geworden war.

„Ich habe alles in Gefahr gebracht“, sagte Alan. „Sandy und die Kinder.“

„Wir alle begehen im Leben Fehler“, sagte Ted.

„Die anderen ja“, lachte Alan. „Aber ich doch nicht.“

„Nun“, sagte Ted. „Dann hast du dich ja selbst überrascht, und musst jetzt nicht anderen verzeihen, sondern dir selbst. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei den meisten meiner Klienten ist das ein langer Prozess.“

Alan blickte immer noch aus dem Fenster während er sagte: „Ich bin so unsicher geworden. Ich dachte, ich hätte mich unter Kontrolle, aber jetzt vertraue ich mir nicht mehr.“

„Durch Schuldgefühle verliert man das Selbstvertrauen“, ergänzte Ted. „Darum ist es so wichtig, die Schuldproblematik an ihrer Wurzel zu lösen.“

„Wie machst du das bei deinen Klienten“, fragte Alan und erhielt nach ein paar Sekunden Stille folgende Antwort:

„Die Logik meiner Argumentation muss in Schritten nachvollzogen werden können, andernfalls bleibt die Erlösung von den Gefühlen der Schuld aus. Schritt für Schritt erkläre ich aus psychologischer Sicht, dass wir Verantwortung für unsere Handlungen tragen müssen, da die Impulse zweifelsohne aus uns selbst aufsteigen. Du hast deinen Posten verlassen, um mit deiner Kollegin zu flirten. Der Triebfaktor Lust hat deine Selbstdisziplin außer Kraft gesetzt. Die Frage lautet nun: Machst du dich selbst verliebt? Die Kraft entspringt in dir und motiviert dich. Aber hast du die Wahl? Vorhin hast du richtig gesagt: Die Geilheit überkommt mich manchmal. Das ist der Punkt. Es überkommt dich und reißt dich mit. Wer ist ES? ES ist offensichtlich nicht dein Verstand. Und nun ist die Frage: Wie geht dein Kopf mit ES um? Verurteilst du die Triebenergie, weil sie Anlass war für den Unfall und die nachfolgenden Umstände? Antwortest du darauf mit noch mehr Selbstverurteilung und Selbstdisziplin oder wäre es angebracht, sichere Ventile zu schaffen, Spielfelder, auf denen die Energie sich ausleben darf damit sie nicht hinten herum ausbricht?“

„Ich kann für diese Bedürfnisse kein legitimes Spielfeld schaffen“, sagte Alan. „Nicht bei meinen Familienverhältnissen. Sandy ist eher konservativ eingestellt, wie du weißt.“

„Doch jetzt ist sie über deinen Schatten zwangsweise informiert“, antwortete Ted. „Und weil das so ist, besteht die Gelegenheit, deine Bedürfnisse zur Sprache zu bringen und sie nicht weiter zu leugnen. Weder vor dir selbst noch vor Sandy. Kläre deine Einstellung zu deinen Trieben, zu deiner Lust in diesem Fall. Dadurch klärt sich auch die Frage deiner Schuld. War die Lust Schuld an dem Malheur oder ihre Unterdrückung? Geh diesen Fragen nach und finde deine Antworten. Meine sind für dich nicht unbedingt gültig, wie wir längst wissen.“

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on September 12, 2012