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Dharma | by h.koppdelaney
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Dharma

Dharma

 

Singing in the Rain

 

The pink umbrella to me is like singing in the rain…

 

HKD

 

Die Befreiung des unzerstörbaren Lächelns

 

Der Zug hielt an und der Mönch stieg aus. Es regnete und ich sah, wie der Asiate den Schirm aufspannte nachdem er das schützende Dach des Bahnsteigs in Richtung Taxistand verlassen hatte. Pinkfarben leuchtete der Schirm bis mich der fahrende Zug langsam von ihm losriss. Das Letzte was ich sah war ein winziger farbiger Punkt im regnerischen Grau des frühen Abends.

Der Farbklecks erheiterte mich lange und obwohl ich nicht mit diesem Mönch gesprochen hatte, fielen mir Sätze aus Gesprächen ein, die ich mit einem anderen ehrwürdigen Mönch in der Gompa geführt hatte.

„Es ist unsere Natur, bestimmte Dinge zu begehren. Ablehnung oder Begehren sind weder falsch noch richtig, wir finden sie einfach in uns vor. Aber der Mechanismus des sehnsuchtsvollen Verlangens muss durchschaut werden, wenn du deinen Geist beruhigen willst. Sehnsucht bringt Unruhe. Ablehnung ebenfalls. Unbewusste Menschen bleiben Opfer dieser Kräfte und verhalten sich auch so. Daher protestieren sie...“

Meistens standen der Rinpoche und ich auf der Veranda zum Schulungsraum. Nur zu ernsten Themen nahm er Stellung. Allgemeinem Klagen oder Lamentieren hörte er nicht zu.

„Beklagen ist eine Untugend“, sagte er. „Und ich werde sie nicht unterstützen, indem ich sie mit meiner Aufmerksamkeit nähre. Nur ein klares Nein schützt dich davor, ein Müllschlucker zu sein. Und diesem Nein muss eine Tat folgen.“

Eine solche Aktion war für einige seiner Schüler immer wieder ein Affront, denn bei offensichtlicher Hascherei von Aufmerksamkeit drehte er sich um und ließ den oder die Fragensteller einfach stehen. Auch ich habe diese Lektion erfahren und mich sehr schnell bemüht, gewisse Regeln im Umgang mit Rinpoche zu beherzigen.

„Urteile führen stets zu falschen Vorstellungen“, sagte er. „Aufgrund des Urteils erfolgt die scheinbare Berechtigung zur Klage.“

Mir fiel auch der christliche Hinweis zur Erlösung auf: „Richte nicht!“ Christus gab mehrere Hinweise darauf, wie hinderlich der Mechanismus der Verurteilung in Bezug auf die Freiheit des Geistes ist.

„Wer zwanghaft urteilt kommt schließlich an der Selbstverurteilung nicht vorbei.“, sagte Rinpoche. „Die eigenen Fehler und Schwächen werden schließlich erkannt und ebenso die Unfähigkeit, sie zu unterbinden. Selbstverurteilung ist eine schmerzhafte Sackgasse.“

Auf meine Frage hin, wie diese zu vermeiden sei, verwies er auf Schritte der präzisen Logik.

„Alle Sucher geraten in diese Sackgasse. Darum die befreiende Erkenntnis: Fehler und Schwächen entstehen durch Beurteilungen und deren Ausrichtung an wechselnden Moden. Unterlässt du schließlich die Beurteilung, verschwinden logischerweise auch deine sogenannten Fehler.“

„Aber ich soll doch versuchen, mich von falschem Handeln fern zu halten“, entgegnete ich.

„Auf dieser Stufe fangen Kinder an“, sagte Rinpoche. „Kinder müssen lernen Gut und Böse zu unterscheiden. Wenn du aber bereits unter deiner Selbstverurteilung leidest, ist die Zeit gekommen, die alten Vorstellungen von Tugend und Untugend aufzuheben. Indem du sämtliche dualistischen Urteile und Bewertungen unterlässt, befreist du dein unzerstörbares Lächeln.“

 

HKD

 

Die von Rinpoche empfohlene Praxis, sich des Verurteilens zu enthalten, bezieht sich nicht auf die Funktion des alltäglichen Bewusstseins. Für ihn geht es um die Transzendenz des Ego-Bewustseins hin zum Freien-Bewusstsein. Das freie Bewusstsein hat sich durch Versöhnung mit den inneren Dämonen von ihnen befreit. Es wertet nicht mehr. Die Selbstverurteilung ist damit überwachsen.

 

HKD

 

Digital art based on own photography and textures

 

HKD

 

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Taken on October 26, 2011