About hactivist.tv
In Schriftform zu verkünden, was sich in ihr dem Ende zuneigt, führt zu einem infiniten Regress. Der Sturm auf dieses Medium, wie die nicht vollzogene Revolution an anderer Stelle, etwa die deutsche, ist wie die Maschinenstürmerbewegung ein starkes, romantisches Bild, das sich in seiner Auflösung befindet. Heutzutage ist es nicht mehr möglich, durch Zerstören von Maschinen und physische Protestbewegungen die Kehrseite der Globalsierung, den Hyperkapitalismus, aufzuhalten. Das Credo könnte demnach viel eher "kurzzeitig aufhalten, statt kurzzeitig zerstören" (Roland Barthes) heißen.
Gegen Techno- oder Kommunologie (FLUSSER, Vilém (1996): Kommunologie. Herausgegeben von Stefan Bollmann und Edith Flusser. Dritte Auflage. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2003) hilft also kein von außen verkündeter, apostelhafter Aufklärungsgestus oder die Idee, dem computerisierten Leben durch Zerstörung Einhalt zu gebieten. Aus dieser Entwicklung heraus lassen sich zwei Forderungen formulieren: 1. Aufklärung kann nur unter computerisierten Bedingungen statt finden, auch wenn Europas DSL-Standard die Entwicklungsländer noch lange nicht erreicht hat. 2. Politische Formen des Widerstands oder des zivilen Ungehorsams, frei nach dem Hackerethos, sind an die maschinengestützten Nervenbahnen der Kommunikation angebunden.
Für die Zukunft von Wissenschaft bedeutet diese Erkenntnis, neue Formen von Ethik und sozialen Netzwerken zu berücksichtigen und auf dieser Basis, Anschlusskommunikation zu gewährleisten. So ermöglicht beispielsweise die Symbiose von Internet und Fernsehen eine dezentrale Streuung, Automatisierung und höhere Interaktivität von Sendeformaten. Nehmen wir die Beispiele Broadcatching und Streaming. Im Gegensatz zu der Distribution von Inhalten über einen Verteilmodus wie Rundfunk oder Verteilnetze (z. B. Kabelnetz) kann der Benutzer beim Broadcatching nicht nur die Quelle, also beispielsweise einen Fernsehsender, sondern auch den Inhalt selbst auswählen. Die Inhalte werden dabei nicht gesendet, sondern aktiv gesucht; der Grad der Interaktivität des Mediums nimmt dabei zu. Beachtet man dabei auch das Streaming, das Übertragen von Bewegbildern und Sounds in Echtzeit, werden herkömmliche Distributions - und Verteilungspraktiken neu justiert, die sich durch autonome Netze (kabellos) einstellen können.
Wenn Inhalte im WWW frei zur Verfügung gestellt werden und per Creative Common License der Verwertungsindustrie ihr Rechtsstatus strittig gemacht wird (http://waste.informatik.hu-berlin.de/Grassmuck/Texts/TCG.html), ist der Weg geebnet für eine zukünftige Generation von Rezipienten und User, die ihre Formate dezentral streuen und interaktiv am Produktionsprozess teilhaben können.
Innerhalb dieser Plattform geht es darum, Medien-, Design- und Techniktheorie über verschiedene Distributionskanäle und Dastellungsarten (u. a. Podcast, Web-TV) miteinander zu verknüpfen und per Creative Common License dem User zur Verfügung zu stellen, um eigene Remixarbeiten- und Formatideen auszubauen. Damit wird der Forderung nach einer "Bildenden" und vor allem offenen Wissenschaft nachgekommen, die sich weder vor ästhetischen, noch technischen oder politischen Fragestellungen verschliesst.
http://www.hactivist.de
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